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Trivium

Storie von: arne, am 01.10.2008 ]

Die vier Recken von TRIVIUM zählen gerade einmal etwas mehr als zwanzig Lenze, doch sie haben im Metal schon fast alles erreicht, was einer Band möglich ist. Quasi von Beginn ihrer Karriere an galten sie als heißester Aspirant auf das Erbe der Thrash-Ikone Metallica, um wenig später das Label der „Heilsbringer der Metal-Welt“ verliehen zu bekommen.

 
Die Erfolgsgeschichte der Jungs aus Florida mutet fast irreal an. Wie müssen sich da erst die Musiker selbst fühlen? Und wie gelingt es ihnen, sich konsequent weiter zu entwickeln und ihre Bodenhaftung nicht zu verlieren? Ein Schlüssel dürfte darin liegen, dass TRIVIUM mit dem eigenen Schaffen stets ein Stück weit unzufrieden sind und beständig an einer Verbesserung der eigenen Fähigkeiten und des Songwritings arbeiten. Die professionelle Einstellung von Matt Heafy & Co. versteht sich dabei von selbst. Auf der Presse-Rundreise in Vorbereitung des neuen Longplayers „Shogun“ stand der Frontmann geduldig und motiviert Rede und Antwort:

„Es gibt schon gute Argumente, die für Promo-Touren sprechen. Man kann sich für die Interviews Zeit lassen, die einem oftmals fehlt, wenn man auf Tour zum Soundcheck oder später zu der Show muss. Nach den Auftritten wiederum ist man häufig so ausgepowert, dass man danach nicht gleich wieder über seine Songs sprechen will. Die Rundreise jetzt schafft uns für die anstehende Tour Freiheiten und außerdem kann ich mit viel mehr Leuten sprechen, als es dann möglich wäre. Schade ist nur, dass die meisten noch keine Chance hatten, das neue Material zu hören.“ Wie wahr! Zum Zeitpunkt des Gesprächs lagen die Aufnahmen noch nicht vor, so dass Matt in die Bresche springen und „Shogun“ kurz umreißen musste:

„Rein musikalisch betrachtet ist die neue Platte das Beste, was wir vier bislang abgeliefert haben, denn wir bringen die starken Momente unserer frühen Alben zusammen und gehen noch einen Schritt weiter. Das tun wir, indem wir neue Dinge ausprobieren und die Kontraste stärker betonen. Die Heavy-Parts sind brutaler und die Melodien eingängiger. Mein Gesang reicht vom Höchsten, was ich singen kann, bis hinunter zum Tiefsten. Dazu kommen harte Screamings, auf die wir zuletzt nicht mehr zurück gegriffen hatten. Wir haben von allem mehr als genug dabei und jeder hört sofort, dass hier TRIVUM zuwerke sind. „Shogun“ resümiert unsere Vergangenheit und überführt unseren Sound in die Zukunft. Zum ersten Mal haben wir all das umgesetzt, was wir bislang zurück gestellt haben oder uns handwerklich noch nicht getraut haben.“

Ansteckende Begeisterung

„Was mir schon zu diesem frühen Zeitpunkt auffällt, wo die Leute nur wenige Stücke und das, was wir über die Platte erzählen, kennen, ist, dass unser bandinterner Glaube an die Stärke von „Shogun“ auf die Leute über zu gehen scheint.“, fasst Matt das an ihn heran getragene Feedback zusammen. „Dabei ist es egal, ob du in Richtung Presse oder zu den Fans schaust. Jeder scheint inzwischen davon überzeugt zu sein, dass es eine killer Scheibe ist. Es scheint ansteckend zu sein, wenn du als Künstler mit Stolz geschwellter Brust herum läufst, weil du weißt, etwas Großes geschaffen zu haben. Die Mutmaßungen und Gerüchte zu der Zeit, als wir die Stücke geschrieben und sie später im Studio aufgenommen haben, sind teilweise schon euphorisch gewesen, doch als dann der erste Track im Internet veröffentlicht wurde, schlug die Welle erst so richtig aus. Die Leute sind so heiß und wissbegierig, dass sie jede kleinste Info sofort aufsaugen und uns abfeiern, obwohl sie das Album noch nicht einmal kennen. Das ehrt uns und wir sind umso stolzer, solche Fans zu haben. Doch irgendwie ist es auch beängstigend. Wenn ständig alle Augen auf dich gerichtet sind, kannst du quasi keinen Schritt machen, ohne unbeobachtet zu sein.“

Das ist der Preis des Erfolges, den insbesondere Matt zu zahlen hat. Schon zu einem frühen Zeitpunkt seiner Karriere wurde er zur Galionsfigur einer neuen Metal-Riege erklärt: „Das ist einer dieser verrückten Aspekte. Warum auch immer haben einige Journalisten in mir einen so genannten neuen Metal-Gott entdeckt. Andere haben das bereitwillig schnell übernommen und dagegen kann man nichts tun. Es ist ja eine große Ehre, mit einem solchen Titel belegt zu werden. Ich kann damit leben und immer noch halbwegs ungestört mit TRIVIUM weiter machen. Du stehst jedoch mehr als andere in der Pflicht, das, was geschrieben wird, auch rechtfertigen zu müssen. Hast du in einem Song weniger als fünf Gitarren-Soli, fragen alle gleich, was denn los sei. Die technischere und härtere Anlage von „Shogun“ hat dabei nichts mit diesen Erwägungen zu tun. Wir fühlten, dass es an der Zeit war, wieder brutaler zu werden. Man sollte sich stets von seinem Gefühl leiten lassen. Gute Songs entstehen dann fast automatisch. Wenn du gleichzeitig auch den technischen Aspekt mit im Auge behälst, kann im Grunde nichts mehr schief gehen.“

Zwei Jahre nach dem letzten Streich, „The Crusade“, zeigt sich die Kombo aus Orlando tatsächlich wieder forscher und aggressiver unterwegs. Die einzelnen Stücke erhalten mehr Raum, sich zu entwickeln, wobei TRIVIUM mehr denn je auf die Atmosphären der einzelnen Kompositionen fokussieren und ihr Material noch einen Tick epischer und hymnischer halten. Das Konzept um den „Anführer aus der Kriegerkaste der Samurai“ wird verglichen mit dem Vorgänger sowohl technischer als auch detailreicher umgesetzt. Dabei bewegt sich die Gruppe aus Florida nach wie vor im Spannungsfeld zwischen viel Thrash, etwas Death und marginaler Hardcore-Zitate. Der Sound des Quartetts passt mehr denn je in die Zeit, da harter Crossover-Metal wieder en vogue ist:

„Das ist eine Entwicklung, die uns entgegen kommt. Als ich aufgewachsen bin und Musik nur aus der Fan-Perspektive mitgenommen habe, was der melodische Death-Metal häufig mit einer guten Portion Prog versetzt. Dadurch war der Sound insgesamt etwas weicher und weniger extrem. Heute stehen hingegen Brutalität und technischer Anspruch im Vordergrund. Bei TRIVIUM ist es quasi von Beginn an so gewesen, so dass wir denkbar gute Karten haben. Das ist cool, auch wenn mir nicht klar ist, womit sich diese Entwicklung erklären lässt. Natürlich sind die älteren Hörer mit der Zeit erfahrener geworden und wollten auch heftigere Sachen hören, doch bei den jungen Kids scheint es eher so zu sein, dass sie heute in einer so schnelllebigen Welt aufwachsen, dass Musik, die sie hören, auch schnell und extrem sein muss. Man sollte jedoch nicht übersehen, dass heute auch stärker auf das Songwriting und die individuellen Fähigkeiten der Musiker geachtet wird. Früher gab es wenige Legenden, die jeder kannte, weil sie besser oder schneller als die anderen waren. Heute wird es fast vorausgesetzt, dass man ein Virtuose ist und alles kann. Da ist es gut, dass es auch um die Vielseitigkeit und Balance im Songwriting geht, denn so muss man nicht nur auf einem Feld kämpfen und kann zwischendurch auch kurz durchschnaufen.“

Gute Unterhaltung

TRIVIUM selbst geben weder ihrer melodischen noch ihrer harten Seite den Vorzug, wie Matt erklärt: „Wir nehmen es, wie es gerade kommt. Das Songwriting ist stets auch von externen Einflüssen abhängig oder beeinflusst, so das abhängig von der Laune, Tagesform, dem, was du zuletzt


im Radio gehört hast, oder was auch immer, ganz unterschiedliche Songs entstehen. Und nicht nur du bist jeden Tag unterschiedlich drauf. Die anderen in der Band sind es ja auch. Man muss aufeinander Rücksicht nehmen und sich immer wieder neu aufeinander einspielen. Da hast du dann gar keine andere Wahl, als dem zu folgen, was sich von ganz alleine entwickelt. Als wir „Shogun“ geschrieben haben, war es uns egal, ob die Songs schneller, härter, langsamer oder länger werden. Solange du hinter dem, was du erschaffst, erhobenen Hauptes stehen kannst, ist alles in Ordnung.“ Angesichts dieser Aussage überrascht es nicht, dass der Vierer weder eine Verantwortung für den Underground spürt, noch Berührungen mit dem Mainstream vermeidet:

„Das würde ich nicht unbedingt voneinander trennen. Man kann ja sowohl die Leute einer Underground-Szene für sich begeistern als auch außerhalb dieser Hörer ansprechen, die manchmal vielleicht sogar aus dem Mainstream stammen. Da sehe ich keine Probleme. Wenn es uns mit TRIVIUM glückt, normale Hörer zum Metal zu bringen, wäre das eine tolle Sache. Der überwiegende Teil unserer Fans wird so oder so auf ewig aus dem Metal stammen. Wir sind schließlich eine Metal-Band. Mal kannst du mitsingen, dann bangen und wegen mir auch diven. Wichtig ist es, zu unterhalten und den Leuten eine gute Zeit zu bringen. Wenn dir das gelingt, hast du alles richtig gemacht. Darum geht es uns. Darüber hinaus gibt es keine weiteren Ziele oder Verpflichtungen.“ In Bezug auf „Shogun“ aber schon, denn von allen Seiten wurde Großes erwartet. Völlig entkoppeln kann man sich nicht, wie Matt zugibt: „Natürlich sind wir schon leicht nervös gewesen. Wer wäre das nicht, wenn seine neue Platte an einem unglaublich erfolgreichen Vorgänger gemessen wird. Nach den Jahren, die TRIVIUM inzwischen bestehen, sind wir jedoch selbstbewusst und routiniert genug, uns der Herausforderung zu stellen und die große Aufgabe ohne allzu großen Druck anzugehen. Anders ginge es gar nicht.“

Noch extremer

Wer mit „Shogun“ aufspielt, steht von Beginn an außer Frage und es ist nur zu begrüßen, dass Matt Heafy wieder begonnen hat, zu screamen. Das beschert TRIVIUM eine weitere Wirkungsebene und bringt interessante Kontraste zurück. Die Neuerungen sind dabei häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar und eher subtiler Natur: „Es ist immer schwer abzuschätzen, was die Fans für sich entdecken und wo sie die wesentlichen Veränderungen ausmachen. Für „Shogun“ würde ich erwarten, dass man gar nicht so genau in Worte fassen kann, was anders ist, denn alle Elemente gab es bereits auf den früheren Platten. Dieses Mal gibt es „lediglich“ mehr von allem. Es ist wohl eher ein unspezifisches Gefühl, dass wir uns verbessert haben und noch näher an den Sound gekommen sind, der TRIVIUM im Kern zusammen hält. Die Scheibe klingt allein nach uns und stellt in meinen Augen noch klarer heraus, wofür wir stehen. Was ich ebenfalls weiß, ist, dass wir unsere Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen haben und auch mit der nächsten Platte wieder für eine Überraschung gut sein werden.“

Angesichts einer rundum stimmigen Scheibe wie dem neuen Machwerk des Quartetts aus Florida überrascht dieses Statement: „Da mache ich mir wirklich keine Sorgen. Für inspirierte Bands wird es immer den Raum geben, sich weiter zu entwickeln und neue Facetten heraus zu stellen. Sonst wäre es doch langweilig. Und wenn es „nur“ darum geht, den eigenen Sound noch stärker zu akzentuieren. Nimm „Shogun“: Noch keines unserer Alben hat so sehr nach TRIVIUM geklungen. Heute kann man ohne Übertreibung sagen, dass wir einen eigenen Sound haben. Darauf sind wir stolz, und wir haben uns diesem Ziel in kleinen Schritten genähert. Ein rundes und reifes Songwriting mit markanten Stärken kommt schließlich nicht über Nacht. Das dauert sein Zeit und Jahre. Man kann jammen und besser werden, doch nur über die Veröffentlichungen, die auch nach draußen dringen, bekommst du direktes Feedback und kannst anhand der Kritiken schauen, wo du noch nachlegen musst. Dann geht es gar nicht anders, als zu wachsen, wenn du dein eigenes Schaffen ernst nimmst.“ Gleichfalls muss man auch neue Wege gehen, so wie Matt & Co.: „Wir haben uns einen neuen Produzenten gesucht. Dieses Mal haben wir nicht mit Jason Suecof, sondern mit Nick Raskulinecz (u. a. Death Angel, Rush, Foo Fighters) in seinem Studio in Tennessee aufgenommen. Das ist jedoch nur die offensichtlichste Veränderung. Die Songs für „Shogun“ sind über den Zeitraum eines Jahres entstanden. Wann immer wir auf Tour oder zwischendurch Zeit und Lust hatten, haben wir an neuen Stücken gearbeitet, so dass sich der Demo-Prozess über viele Monate streckte. Am Ende hatten wir 27 Gitarren-Demos, aus denen wir Songs gemacht haben. Die unserer Meinung nach besten 20 Stücke haben wir dann aufgenommen und richtige Demos erstellt. Gemeinsam mit Nick sind wir dann an den Feinschliff gegangen, für den wir uns ebenfalls die nötige Zeit gelassen haben. Es war uns wichtig, einen verbindenden Vibe zu schaffen, aber auch ein gleichbleibend hohes Energielevel zu erzielen. Nick ließ uns alles unzählige Male spielen, bis wir schon gar keine Lust mehr hatten. Doch er wollte sicher gehen, dass er wirklich unsere beste Leistung aufgenommen hat. In dieser Hinsicht ist er ein Perfektionist. Alles muss am Limit und so gut wie niemals zuvor sein. „Shogun“ rechtfertigt diesen Ansatz, denn es ist tatsächlich das bislang beste Album von TRIVIUM entstanden. Jedes bereits bekannte Extrem ist heute nochmals extremer.“

Ein Umschwung hin zu noch krasseren Kompositionen ist jedoch ausgeschlossen: „Im Songwriting gehen wir niemals geplant vor. Wir vier hören Metal, seit wir uns für Musik interessieren, und haben keine Spielart ausgeschlossen. Gute Musik ist nun einmal gute Musik. Heute profitieren wir davon, dass wir viele Metal-Klassiker kennen, dass wir aber ebenfalls immer auch ein offenes Ohr für andere Stile und Künstler hatten. Unsere Entwicklung verlief wie bei vielen anderen. Es fing mit den Klassikern an, wandte sich zu den Extremen und pegelte sich dann irgendwo dazwischen ein. Melodischer Metal, Death Metal, Black Metal, andere extreme Spielformen – Vieles findet sich heute bei TRIVIUM wieder. Das ist nur natürlich. Seine Einflüsse braucht man nicht zu verleugnen, denn sie prägen einen. Es kommt auf den Kontext an, den man schafft. Um etwas Eigenes zu schaffen, braucht man eine Weile. Diesen Punkt haben wir mit unserer Band erreicht. Zukünftig werden wir es immer so wie jetzt bei „Shogun“ machen. Wir nehmen uns genügend Zeit zum Schreiben und für die Demos und können dann am Ende die besten Stücke auswählen. Wenn man alles, was man hat, mit auf eine Platte nimmt, muss etwas dabei sein, was nicht 100%ig gut ist. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden.“ Die für den November angekündigte „Unholy Alliance Tour” an der Seite von Slayer und Mastodon kann kommen!

 
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