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The Funeral Pyre

Storie von: arne, am 11.08.2008 ]

Etwas überraschend blasen THE FUNERAL PYRE mit ihrem Drittwerk „Wounds“ zum Frontalangriff auf Freunde gepflegter Death’n’Black-Klänge, die gleichsam temporeich-hart wie melodisch dargeboten werden. Im Sound der Kalifornier geben sich sowohl Dawn und Dissection als auch At The Gates, Rotten Sound und Phobia die Ehre. Hinsichtlich des Ausmaßes an vertonter Emotionalität taugen zudem die New School-Helden Shai Hulud als Referenz, denen das Quintett hinsichtlich Intensität und Verzweiflung in nichts nachsteht.

 
„Um ehrlich zu sein sehe ich uns außerhalb möglicher Crossover-Tendenzen.“, entgegnet Shouter John im Gespräch. „Bei uns findet man vor allem Elemente aus dem Death und Black Metal und das war es dann auch. Wir sind keine Band, die von Hardcore-Kids gemocht wird. Mit DeathCore-Hörern ist es im Prinzip genauso, auch wenn es da größere Überschneidungen gibt. Mit einem Einfluss von Shai Hulud, wie du ihn ansprichst, kann ich mich anfreunden, doch insgesamt sehen wir uns von modernen Genre-Kategorien entkoppelt und richten uns nicht nach Trends oder aktuell abgesagten Strömungen. Es geht uns nicht darum, „groß“ und berühmt zu werden. Wir streben allein danach, möglichst lange als Band aktiv sein zu können.“

Es erweist sich als gute Entscheidung, dass die Musiker auf das in der Vergangenheit dominante Keyboard auf „Wounds“ komplett verzichten. So gelangen die Songstrukturen in den Mittelpunkt des Geschehens und die Prosthetic-Kombo kann sich nicht länger hinter einem „bombastisch überladenen Überzug“ verstecken. Im intensiver gewordenen Werben um Fans dürfte das nicht schaden: „Natürlich ist der Wettbewerb härter geworden, wenn Bands wie Job For A Cowboy, Whitechapel oder The Black Dahlia Murder mit extrem anspruchsvollen und krassen Platten die gängigen Standards definieren, an denen man selbst gemessen wird. Auf der anderen Seite ist durch ihren Einfluss und ihre Akzeptanz außerhalb des Undergounds eine klare Grenze gezogen worden, zwischen dem, was Underground ist und all denjenigen, die Ambitionen haben, aus ihm heraus zu kommen. Die Fans haben dafür ein feines Gespür und entscheiden sich in der Regel dafür, die eine oder andere Strömung zu unterstützen. Wir respektieren die genannten Bands für das, was sie tun, doch mit THE FUNERAL PYRE bleiben wir klar Underground.“

Die Kalifornier arbeiten konsequent mit den sich durch einen zweiten Gitarristen bietenden Möglichkeiten. Der Anteil an Tempo- und Blast-Passagen ist durchaus hoch geblieben, doch tolle Melodien und teils fordernde Songstrukturen schaffen einen verbindenden und spannenden Rahmen: „Im Songwriting halten wir uns an die Weisheit, dass weniger manchmal mehr ist. Dabei geht es uns nicht darum, einzigartig oder besonders zu klingen. Unsere Einflüsse sind ja recht deutlich erkennbar. Was die Ausgewogenheit zwischen komplexen und einfachen Songstrukturen anbelangt, hat sich das natürlich entwickelt. Im Proberaum entscheiden Tagesform und Laune darüber, welche Art von Songs am Ende entsteht. Das lassen wir einfach auf uns zukommen. Es scheint mir allerdings wichtig, am Ende beide Arten von Tracks auf einer Platte zu haben. Inwieweit dadurch vielleicht sogar ein wieder erkennbarer Sound entsteht, müssen die Fans entscheiden.“ In Hinblick auf die beabsichtigte Wirkung der Stücke von THE FUNERAL PYRE äußert Shouter John hingegen konkrete Wünsche:

„Ich würde es so formulieren, dass es uns ein Anliegen ist, den Leuten eine Hilfe zu sein, so weit das auf dem Wege der Musik geht. Wenn es uns gelingt, mit unseren Songs einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Leute besser mit ihren Leben klar kommen und


es besser verstehen, wäre ich stolz, aber natürlich wird das nur bei wenigen der Fall sein. Und doch passiert es immer wieder, dass Kids zu uns kommen und sagen, wir hätten bei ihnen einen tiefen Eindruck hinterlassen und ihr Leben verändert. Über solche Dinge sollte man nicht zu viel nachdenken und beeinflussen kann man sie schon gar nicht. Alles, was wir tun, ist es, unsere Standpunkte und Sichtweisen in Songs zu überführen.“ Die Verbindung aus schroffer Härte und gefühlvoller, melodischer Intensität lässt heute insbesondere an Dawn denken, was auf den früheren Platten der Kalifornier noch undenkbar gewesen wäre. Die fokussierte Arbeit am eigenen Drittwerk und eine reflektierte Standortbestimmung sind dafür verantwortlich:

„Der entscheidende Unterschied bestand darin, dass wir dieses Mal schon im Vorfeld eine klare Vorstellung davon hatten, wie das Album klingen sollte. In der Vergangenheit haben wir uns darüber nie Gedanken gemacht. Das hängt zu einem großen Teil mit dem kreativen Potenzial von „Wounds“ zusammen und den vielen Ideen, die wir mit der Platte umgesetzt haben. Wir wussten haargenau, welche Stimmungen transportiert und wie die Stücke strukturiert werden sollten. Es war keine bewusste Entscheidung, stärker in Richtung Black Metal zu gehen. Das hat sich einfach so ergeben und stört uns nicht. Für uns stand im Fokus, uns weiter zu verbessern und die früheren Releases zu übertreffen. Das ist uns gelungen, egal, ob man sich die Strukturen der Songs oder die Texte anschaut.“ Shouter John spricht die „Kurskorrektur“ des Quintetts offensiv an: „Meiner Auffassung nach geht es nicht so sehr darum, wie eine Band zu einem bestimmten Zeitpunkt klingt, sondern darum, ob sie in ihrem Schaffen authentisch auftritt und wirkt. Änderungen im Stil hat es bei vielen Gruppen gegeben, ohne dass sich die Fans reihenweise von ihnen abgewandt hätten. Das ist letztlich eine natürliche Entwicklung, die man nicht einmal bewusst forcieren muss.“

THE FUNERAL PYRE haben ausgehend vom Sound der letzten Platte die besten Parts beibehalten und sowohl diese als auch den Rest „einfach“ besser gemacht: „Die redundanten Passagen sind ebenso verschwunden wie die spannungslosen und schon wirken die Songs ganz anders. Wann immer man als Musiker danach strebt, besser zu werden und dabei seine Ideale nicht vergisst, kann man nur gewinnen. Allerdings nur dann, wenn man neue und frische Ideen hat.“ Die zweite Prosthetic-Scheibe, „Wounds“, gibt dem Musiker recht, der die wesentlichen Entwicklungen abschließend wie folgt zusammen fasst: „In der Vergangenheit haben wir uns häufig zu stark darauf konzentriert, prägnante Riffs und schnelle Blast Beats zu setzen. Mehr taten wir nicht, was im Ergebnis zu wenig war. Heute legen wir auf diese beiden Stilelemente immer noch viel Wert, doch wir binden sie in stimmige Strukturen ein, so dass wirkliche Songs entstehen. Wir schrecken nicht einmal mehr davor zurück, auch Stücke zu komponieren, die miteinander verbunden sind. Dabei stehen für uns heute vor allem die transportierten Emotionen und der Fluss über das ganze Album im Mittelpunkt.“

 
 Links:
  myspace.com/thefuneralpyre
 
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