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The Blackout Argument

Interview von: arne mit Chris, am: 26.06.2008 ]

Unter dem Titel „Smile Like A Wolf“ ist Anfang Juni eine Gratis-EP von The Blackout Argument online gegangen. Die Münchener haben zu diesem Zweck eigens eine neue Website gelauncht, auf der die EP heruntergeladen werden kann. Mit den neuen Songs stellt die Band ihren neuen Sänger Raphael offiziell vor und verkürzt die Wartezeit auf den zweiten Longplayer für Lifeforce Records, der im Januar 2009 erscheinen soll.

 

Musicscan: Was gibt’s Neues aus dem Lager von The Blackout Argument zu berichten? Wie ist der offizielle Online-Start von Smile Like A Wolf angelaufen?

The Blackout Argument: Hey Arne! Der Online Start von „Smile Like A Wolf“ war extrem cool! Wir hatten gleich in der ersten woche über 4000 Downloads, wesentlich mehr als wir gedacht hatten. Bis Ende des Monats sind es aller vorraussicht nach schon 10.000. Das macht uns echt mega happy vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ein Großteil der Leute die sich die EP runterladen vorher noch nichts von uns gehört haben! Ansonsten sind wir ja bekanntlich ziemliche Arbeitstiere und haben vor einigen Wochen bereits mit dem Songwriting für unser kommendes zweites Album auf Lifeforce Records begonnen. Im September sind wir im Studio, Releasedate ist dann im Janaur 2009. Neben Songwriting und Recording geht’s im August wieder auf Europa Tour, dieses mal zusammen mit ARCHITECTS eine mega coolen neuen Band aus UK.

Musicscan: Welches Feedback gab es a) von Hörern / Fans und b) von anderen Bands und befreundeten Musikern? Wie wird eine Gratis-EP generell aufgenommen?

The Blackout Argument: Das Feedback war bisher überweltigend! Ich war selbst überrascht dass die Leute so positiv auf die Aktion als solches, aber auch auf die Songs reagiert haben. Wir haben anrufe bekommen von Leuten die unsere Songs in voller Lautstärke mitgesungen haben und son Zeug, echt abgefahren!! Andere Musiker (die hören ja bekanntlich immer genauer hin hahaha) waren auch alle sehr angetan vom neuen Material. Hier wurde oft gesagt dass wir musikalsich ausgereifter sind und vor allem (auch von den Hörern) dass Raphael am Gesang genau das war was uns noch gefehlt hat.

Musicscan: Wie ist die Idee entstanden, Smile Like A Wolf gratis ins Netz zu stellen?

The Blackout Argument: Da wir mit Songwriting recht fix sind, kam die Idee auf die Zeit bis zum nächsten regulären Album mit einem Zwischen-Release zu überbrücken. Da wir nicht erneut eine MCD aufnehmen wollten und insgesamt schon länger den Wunsch haben etwas „besonderes“ zu tun, kam die Idee auf, die Songs einfach für lau ins Netz zu stellen. Alles weitere, zum Beispiel dass es dazu ein komplettes CD-Artwork und eine eigene Download-Webseite geben würde, ergab sich in vielen Gesprächen innerhalb der Band und mit einigen Außenstehenden.

Musicscan: Einen anderen kostenfreien Vertriebskanal haben Fire In The Attic mit der Visions-Beilage gewählt. Wird man zukünftig aus Eurer Sicht häufiger mit ähnlichen Aktionen rechnen müssen? Wie bewertet Ihr den Weg der „Kollegen“?

The Blackout Argument: Ich hoffe es! Aus Sicht der Hörer aber auch der Labels und Musiker ist das der Weg den man in Zukunft gehen sollte. Natürlich macht es keinen Sinn den physischen Tonträger komplett abzuschaffen, dazu ist der Charme den ein „echtes“ CD Booklet ausstrahlt und das Ritual des Einlegens einer CD in den Player einfach zu großartig. Aber von Zeit zu Zeit ein Online Release zu veröffentlichen halte ich für die richtige Richtung. Natürlich spreche ich hier nicht von ein paar schäbigen live-songs die man dann lieblos auf myspace hackt. Solche Online-Releases müssen in punkto Artwork, Qualität, Vertrieb und Promotion genauso ernst genommen werden wie die physischen Tonträger, sonst macht es keinen Sinn. Die Aktion von FIRE IN THE ATTIC haben wir natürlich mitbekommen und ich muss sagen, auch wenn die Idee nicht neu war, war ich durchaus überrascht und beeindruckt sowohl von der Band als auch vom Label. Dazu gehört viel Mut, vor allem in diesem Umfang ist damit natürlich auch ein großes finanzielles Risiko verbunden. Das einzige was ich mir noch gewünscht hätte wäre ein ausführlicheres Booklet gewesen, aber auch so war es eine extrem coole, für die Zukunft richtungsweisende Aktion.

Musicscan: Welche Effekte kann man als Band mit einem Gratis-Release denn erreichen? Was sind Eure Erwartungen bzw. Ziele?

The Blackout Argument: Unser größter Wunsch ist es natürlich so viele neue Hörer wie möglich zu erreichen mit „Smile Like A Wolf“. Einfach den leuten die vielleicht schon mal von Blackout Argument gehört haben (oder auch nicht) die möglichkeit geben aktuelle und exklusive Songs von uns auszuchecken. Wenn die Kids die songs gut finden wäre es natürlich super cool für uns wenn wir das auf Konzerten merken oder sonst feedback bekommen. Konkrete Erwartungen oder Ziele haben wir nicht, das kollidiert mit unserem internen Band-Verständnis. Wir sind happy mit allem was passiert solange ETWAS passiert. Natürlich freuen wir uns darüber dass alles so aussieht als würde „Smile Like A Wolf“ ein Riesenerfolg werden und die Band enorm weiterbringen.

Musicscan: Gibt man als Künstler mit so einer Aktion nicht der Diskussion Nahrung, dass Musik generell zu teuer und das Medium einer CD inzwischen überholt ist? Wenn so etwas häufiger passiert, könnte sowohl die gefühlte Wertigkeit für die Kunst und die Bereitschaft, später wieder etwas zu kaufen, abnehmen. Oder nicht?

The Blackout Argument: Natürlich schlagen wir mit unserer Aktion genau in diese Kerbe und stellen uns auch regelmäßig der Diskussion. Zunächst zur CD, dass dieses Format überholt ist, ist ein fakt. Die Beschränkung auf Stereo-Sound (auch hier wird es ohne Frage eine Weiterentwicklung in der Recording-Technologie geben), nur 70 Minuten Spielzeit und Empfindlichkeit der CD sind einfach als Nachteile nicht von der Hand zu weisen. Während das Vinyl noch einen großen nostalgischen Wert hat (analog, große Cover, umständliche Abspielgeräte, etc.) ist die CD im digitalen Zeitalter eher so eine Art "Übergangsformat" gewesen. Was als nächstes kommt ist schwer zu sagen, ich denke aber, dass es noch mal einen physischen Tonträger geben wird bevor komplett alles mit dem Internet verschmilzt. Die Wertigkeit der Kunst wird niemals abnehmen, was sich aber ändern wird und bereits ändert ist die Art der Honorierung dieser Kunst. Ich denke das wird sich weiter in die Richtung verschieben dass die Fans das Geld lieber den Künstlern direkt zukommen lassen als den Plattenfirmen. Schließlich brechen ja nur die Verkaufszahlen immer mehr ein, Live-Konzerte und Merchandise boomen mehr dennje! Und genau an diesem Punkt müssen Labels umdenken. Wenn Plattenfirmen den Hörern ein Signal geben dass sie ihnen nicht nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen sondern als eine Art Bindeglied zwischen ihnen und dem Künstler fungieren, werden sie auch wieder das Vertrauen der Hörer gewinnen. Ein Gratis Online Release ist eine Möglichkeit wie man so was erreichen kann, aber auch andere Interaktionen zwischen Fans und Künstler über das Label sind denkbar.

Musicscan: Da Ihr als The Blackout Argument noch recht neu unterwegs seid. Was bedeutet es heutzutage, eine neue Band zu etablieren, die melodischen und nicht zu metallischen Hardcore spielt? Es gibt ja Unmengen an Gruppen und Releases…

The Blackout Argument: Cool dass du das ansprichst, bisher wurden wir dazu noch nicht viel befragt in Interviews. Es ist in der Tat so, dass für die leute heute alles „Metalcore“ ist. Bei den Rezensionen zum „Decisions“ Album ist dieser Begriff dutzende male gefallen, meiner ansicht nach vollkommen unpassend. Natürlich spielen wir harte Musik und bedienen uns sicher auch hier und da stilistischer Mittel die dem modernen Metal nahe stehen, der Grundcharakter unserer Musik ist jedoch viel tiefer im Hardcore, Rock oder Punk verwurzelt. Unsere Songs sind wesentlich geradliniger und kompakter als die einer Standard-Metalcore Band. Ich denke nicht dass die Leute uns als „Metalcore“ bezeichnen um uns zu ärgern, sondern einfach nur weil sie probleme mit der Einordnung haben. Klar, TERROR ist eine Hardcore-Band, AS I LAY DYING ist Metalcore und FALL OUT BOY sind Emo. Bei uns ist das halt nicht so einfach, hahaha! Auf der anderen Seite ist es aber auch total spannend für uns als Band da unser Becken bei weitem noch nicht so voll ist wie das des Metal/Core. Wir spielen sehr oft auf Shows wo wir eigentlich überhaupt kein bißchen reinpassen aber genau das ist reizvoll für uns. Ich könnte mir vorstellen dass sich Bands wie Caliban oder Heaven Shall Burn so was insgeheim wünschen, mal wieder vor einem Publikum zu spielen dass einen nach dem ersten Song mit großen Augen anschaut als hätten sie gerade ein Ufo auf der Bühne landen gesehen, dann aber nach 5 Songs mega am feiern ist! Auf lange Sicht denke ich dass es sich für uns noch mehr auszahlen wird unser eigenes Ding durchzuziehen als es eh schon der Fall war. Der Metalcore Boom ist definitv zuende und außer ein paar Szenegrößen wird da nicht viel übrig bleiben. Die Leute sind hungrig auf etwas neues und wir haben es am Start hehehe ;-)

Musicscan: Mit welchem Selbstverständnis geht Ihr der Band nach? Was treibt Euch an, beständig neue Songs zu schreiben und auch live unterwegs zu sein?

The Blackout Argument: Zum Selbstverständnis hab ich ja oben schon mal kurz was gesagt, wir sind einfach mega glücklich mit allem was uns bisher schon wiederfahren. Die vielen Shows, das Signing mit Lifeforce, der Boy Sets Fire Toursupport-Slot, die Never Say Die Festivals, jetzt die Möglichkeit eine gratis Online EP zu veröffentlichen… all diese Dinge sind keine Selbstverständlichkeit und wir sind von tiefstem Herzen dankbar dafür. Was uns antreibt ist definitiv die Liebe zur Musik. Auch wenn der Bandalltag manchmal echt stressig sein kann (sei es im Studio, Proberaum oder auf Tour) gibt uns das Songs schreiben, aufnehmen, veröffentlichen und live spielen mehr als alle anderen Dingen die wir bisher ausprobiert haben. Musik-Junkies for life hahaha!

Musicscan: Welche musikalischen oder textlichen Differenzierungs- bzw. Alleinstellungsmerkmale haben The Blackout Argument? Was zeichnet Euch als Band aus?

The Blackout Argument: Musikalisch denke ich dass wir uns ganz gut positioniert haben indem wir (ohne Berücksichtigung von Sub-Genres) den Musikstil „Hardcore“ um eine Komponente erweitern, die in diesem Kontext eher ungewöhnlich ist, nämlich Melodie. Natürlich gibt es hunderte Bands die „melodischen Hardcore“ spielen, auch viele die sehr coole Gesangsparts haben, aber nur wenige Bands schöpfen das wirklich komplett aus und WENN sie es tun, verändert sich ihre Musik dabei so drastisch dass die Überschrift „Hardcore“ nicht mehr passt. Das klingt jetzt alles sehr musik-theoretisch hahaha! Wir sitzen auch nicht im Proberaum und überlegen wie wir jetzt besonders individuell klingen können, man hört bei uns genauso wie bei den meisten anderen bands raus was wir selbst gerne hören und was uns beeinflusst. Das ist alles keine Mathematik sondern eine reine Bauchsache. Bei uns ergibt die Mischung der einzelnen Musiker jedoch das oben beschriebene Ergebnis mit dem wir allesamt sehr glücklich sind.

Musicscan: Der Wechsel des Sängers kurz nach der Veröffentlichung des Debüts war zeitlich nicht unbedingt optimal getimt. Wie kam es dazu, und wie hat sich zunächst der Integrationsprozess und dann der Schreibprozess für Smile Like A Wolf mit dem neuen Shouter gestaltet?

The Blackout Argument: Das stimmt, es hätte sicherlich einen cooleren Zeitpunkt für einen Sängerwechsel gegeben aber so was sucht man sich ja auch nicht aus. Die Entscheidung ging von unserem alten Sänger Sinan aus, er hat den Wunsch geäußerst auszusteigen. Das ganze kam zwar nicht völlig unerwartet für uns, war dann aber doch erstmal eine bittere Pille. Dass Raphael den wir bereits von unseren Freunden FOR HEAVEN’S SAKE kannten sofort Lust hatte bei uns einzusteigen und auch von Tag 1 an mit vollem Herzen dabei war, hat uns definitv den Arsch gerettet. Ab da ging alles ziemlich schnell, Sinan war es wichtig einen möglich schnellen und sauberen Cut zu haben, also haben wir fast unmittelbar nach Sinans Ankündigung angefangen mit Raphael Shows zu spielen. Die Reaktionen auf seine Live-Präsenz waren von Anbeginn an sehr gut und als wir dann auch die Feuertaufe, die „Decisions“-Releseparty in München, mit Bravur bestanden hatten, wussten wir dass es mit The Blackout Argument in diesem Line Up wieder mit Vollgas weitergehen würde. Was Raphaels musikalischen Input betrifft so hört man schon dass er The Blackout Argument stark geprägt hat. Sein Gesangsstil ist dem von Sinan zwar in vielen Punkten ähnlich (besonders bei gesungenen Refrains) aber der Grundcharakter hat sich definitiv geändert. Jetzt so viele positive Reaktionen auf die ersten Aufnahmen mit Raphael zu bekommen ist noch mal eine enorme Erleichterung. Wir sind jedenfalls sehr glücklich wie alles verlaufen ist.

Musicscan: Die EP darf sicherlich als Indikator für das zweite Album gewertet werden: Wie haben sich The Blackout Argument mit der neuen MCD aus Deiner Sicht weiterentwickelt bzw. wo liegen momentan Eure stärksten Momente? Wie wird sich das bis zu den Aufnahmen der neuen Platte fortführen, oder was wollt Ihr bis dahin ausprobieren?

The Blackout Argument: Das witzige ist dass wir besonders auf einen bestimmten song EXTREM positive Reaktionen bekommen haben und das ist „Vampire Searching For Some Light“. Die entstehungsgeschichte dieses Songs klingt fast schon unglaubwürdig aber es war wirklich so: Wir hatten gerade an einem anderen Song gearbeitet als Chris18 mit dem Intro-Riff von ‚Vampire…“ ankam. Er hat einfach nur die ersten 3 Töne gespielt und wir haben angefangen zu spielen und zwar den kompletten song, von anfang bis ende. Es war einfach unglaublich zu sehen wie dieser song direkt beim spielen vollkommen ohne verbale verständigung ganz von alleine entsteht! Alle Teile inkl Lead-Gitarren waren einfach da, irgendwo in uns, alles was wir noch tun mussten war sie an der richtigen Stelle zu spielen. Wir haben den Song noch ein zweites mal gespielt, einen übergang verändert und genauso aufgenommen. Irre! Wenn wir es für das Album schaffen einen ähnlichen „Fluß“ zu erreichen un dem die Songs einfach entstehen ohne „geschrieben“ werden zu müssen, dann glaube ich dass Album Nummer 2 ein absoluter Hammer werden kann! ?

Musicscan: Was darf man 2008 außer Smile Like A Wolf von The Blackout Argument erwarten?

The Blackout Argument: Das gleiche wie 2007: Gebrochene Gitarren, Knochen und Herzen hahaha! Wie bereits erwähnt gehen wir im August auf Tour mit ARCHITECTS, dann wird es natürlich am 11.7. eine Smile Like A Wolf Release Party geben, auf Blacktop erscheint eine limitierte Vinyl-Version der Songs. Im September geht’s dann ins Stduio fürs Album und im Okt/Nov spannen wir ein wenig aus hehehe.

Musicscan: Letzte Worte?

The Blackout Argument: Vielen Dank für das Interview! Waren wirklich gute Fragen. Wir laden jeden herzlich ein mit uns über den Sinn und Unsinn einer gratis Download EP zu diskutieren und auch sonst aus jedem undenkbaren Grund mit uns in Kontakt zu treffen! Vielen Dank!

 
 Links:
  smilelikeawolf.com
 
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