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Lyfthrasyr

Interview von: Jazzy mit Aggreash & Insorior, am: 13.02.2008 ]

Mit 'The Recent Foresight' liegt ein wirklich spannendes Werk in Sachen Dark Metal vor. Die zweite Platte der melodischen Krachbrüder aus Karlsruhe macht beim Hören eine gute Figur. Zuweilen fühlt man sich durch die Keyboardlinien stark an Cradle Of Filth erinnert, auch wenn man bei Lyfthrasyr keine DaniFilth- typischen Screams vorfindet. Alles ein paar Oktaven tiefer; die Platte durchzieht ein angenehmer Wechsel aus Death-Growls und diabolischem Geflüster.

 

Musicscan: Was bedeutet der Name „Lyfthrasyr“?

Lyfthrasyr: Aggreash: In der Nordischen Mythologie ist die Rede vom sogenannten Weltenbrand, der Apokalypse, den nur zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, überlebt haben sollen. Er trug den Namen „Lifthrasir“ und dieser wurde, nachdem wir ihn mit den Y’s unifiziert hatten, zu unserem Bandnamen. Eine tiefere Bedeutung gibt es nicht, da wir ihn primär des guten Klanges wegen ausgesucht haben, außer vielleicht ganz allgemein etwas Neues, was auch wir mit unserer Musik zu schaffen versuchen.

Musicscan: Stellt euch bitte kurz unseren Lesern vor.

Lyfthrasyr: Insorior: Lyfthrasyr wurde 2002 von Aggreash gegründet und existiert als Band mit Live-Konzerten seit 2004. Das Line-Up besteht aus Aggreash, der für das Songwriting, Texte, Bass, Keyboards und Gesang verantwortlich ist, mir, der für die Gitarren verantwortlich ist und gemeinsam mit Aggreash die beiden bisherigen Lyfthrasyr-Alben produziert hat, und unserem Drummer Skytorian.

Musicscan: Um was geht es auf „The Recent Foresight“?

Lyfthrasyr: Aggreash: Es handelt es sich um einen Versuch, auf vielleicht etwas subtile Weise zu zeigen, dass der „moderne“ Blick in die Zukunft heutzutage den früheren eigentlich ziemlich ähnlich ist. Die Grundprobleme sind dieselben: Übermotivation, Genusssucht und falsche Ziele auf der einen, aber auch Unmotiviertheit, Handlungsunfähigkeit und Apathie auf der anderen Seite. Das ist aber nicht alles, sondern es wird auch versucht, den einen oder anderen Lösungsansatz für diese Probleme, die viele in der Zukunft sehen, vorzuschlagen. Nicht selten sind menschliche Charakterschwächen die Basis dieser Probleme, weshalb das eigentliche Ziel sein sollte, ein sinnvolles Maß zwischen Un- und Übermotivation oder auch Apathie und Selbstverherrlichung zu finden. Dieser rote Faden zieht sich durch das ganze Album und erst im letzten Lied „Perception never expected“ kann nach einiger Verwirrung und gezielten Widersprüchen dann eine doch etwas klarere Linie erkannt werden, also eine Art Resümee, wie es funktionieren kann, dieses Maß zu finden.

Musicscan: Zwei Jahre sind seit „The Final Resurrection“ vergangen. Habt ihr schon den Nachfolger von „The Recent Foresight“ im Auge?

Lyfthrasyr: Insorior: Nein - momentan lassen wir einfach das Feedback zu „The Recent Foresight“ auf uns wirken und machen eine kleine kreative Pause, denn Platte und die Tour waren schon recht viel auf einmal und Promotion und Booking sind momentan zeitaufwendig genug. In ein paar Monaten machen wir uns dann Gedanken über die nächste Platte...

Lyfthrasyr: Aggreash: Außerdem möchten wir erst noch auf mehr Reaktionen warten, um uns selbst besser ein Bild davon zu machen, was wir auf dem nächsten Album vielleicht anders machen könnten. Wenn man selbst die Songs schreibt, hat man dafür natürlich keinerlei Objektivität mehr.

Musicscan: Im CD-Review habe ich einen Bezug zu Cradle Of Filth hergestellt. Würdet ihr das so unterschreiben? Fühlt ihr euch von ihnen beeinflusst oder werdet ihr eher zu Unrecht verglichen?

Lyfthrasyr: Insorior: Cradle Of Filth hatte sicher einen ernstzunehmenden Einfluss auf Lyfthrasyr, wobei es nur ein Einfluss unter vielen ist. Ich persönlich fühle mich durch einen Cradle-Vergleich geehrt, weil es eine herausragende Band ist und sich meiner Meinung nach sehr positiv von vielen für mich eintönig klingenden Bands im Black/Dark Metal abhebt.

Lyfthrasyr: Aggreash: Wir werden immer noch oft mit Dimmu Borgir verglichen, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Da finde ich den Bezug zu Cradle Of Filth passender, wobei dieser seit „The Recent Foresight“ sicher auch nicht mehr dominiert, sondern einen von vielen Einflussbereichen aus Metal, elektronischer Musik oder Soundtracks darstellt.

Musicscan: Es gab bisher ein Releasekonzert zu „The Recent Foresight“. Wie war die Resonanz des Publikums auf die neuen Songs? Seid ihr zufrieden?

Lyfthrasyr: Insorior: Die neuen Songs kamen in Heidelberg gut an. Wir wussten nicht genau, ob sie von der Geschwindigkeit und der Härte (vor allem im Vergleich zur ersten Platte) die Leute eventuell etwas überfordern, vor allem wenn man die Songs noch nicht so gut kennt. Diese Befürchtung hat sich aber bisher nicht bestätigt.

Musicscan: Werdet ihr eure neue Scheibe auf einer Tour präsentieren?

Lyfthrasyr: Insorior: Wir hatten ja schon die Gelegenheit die Platte auf einer Tour mit Behemoth und Kataklysm zu vorzustellen. Dabei gab es aber leider keine Konzerte in Deutschland. Wir versuchen diese fehlenden Dates auf einer Deutschlandtour im Frühjahr 2008 nachzuholen.

Musicscan: Ihr habt eure erste Tour mit Behemoth und Kataklysm und Aborted hinter euch. Auf den Geschmack gekommen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Lyfthrasyr: Insorior: So eine Tour ist schon sehr spaßig aber auch kräftezehrend. Nach den drei Wochen waren wir alle froh, mal wieder für ein paar Stunden ein Zimmer alleine und ein wenig Ruhe zu haben. Nach einer Woche Pause hatte ich dann aber schon wieder Lust auf Konzerte...

Lyfthrasyr: Aggreash: Wir hatten natürlich einen schweren Stand als erste Band mit so phantastischen Livebands nach uns, aber ich denke, wir haben unsere Chance dennoch ganz gut genutzt. Außerdem war es eine absolut tolle Erfahrung und es wird definitiv nicht unsere letzte Tour gewesen sein.

Musicscan: Habt ihr eine lustige Anekdote von Gigs auf Lager?

Lyfthrasyr: Insorior: Die Jungs von Aborted haben sich - als echte Death Metaller - ein wenig über unsere düstere Show lustig und immer "Dracula-Witze" gemacht. Beim Konzert in Leeurwarden sind sie dann allesamt während unseres Konzerts kurz als Vampire auf die Bühne gelaufen und haben zwischen uns herumgetanzt. Wir hatten wirklich große Mühe, nicht loslachen zu müssen…

Musicscan: Habt ihr mal schlechte Erfahrungen bei einem Auftritt gemacht?

Lyfthrasyr: Insorior: Bei einem der 19 Dates stand das Publikum nur herum und schien eher gelangweilt… Wir konnten das überhaupt nicht verstehen, da wir an den Abenden davor ganz andere Erfahrungen gemacht hatten. Später aber sagte man uns dann, dass die Leute in der Gegend etwas länger zum warm werden brauchen und sich auch die anderen Bands schwer taten. Dieser Abend war aber zum Glück eine einmalige Ausnahme auf der Tour.

Musicscan: Auf eurer MySpace-Seite beschreibt ihr eure Musik als "a new generation of melodic black/dark metal". Was glaubt ihr unterscheidet euch von anderen Bands?

Lyfthrasyr: Aggreash: Ganz einfach gesagt: Wir meiden „old school“ gänzlich. Das bezieht sich sowohl auf Komposition und Arrangements wie auch auf Sound und Produktion. Gerade im Black Metal kommt es wieder immer mehr in Mode, zur „alten Schule“ zurückzukehren, was wir genau nicht möchten. Unsere Kompositionen sind eher komplex, aber dennoch direkt. Die Gitarren sind inzwischen wesentlich mehr an die Spielweise von Bands wie Rammstein oder teilweise auch Machine Head angelehnt, was mir persönlich besser gefällt als die typischen Black Metal Gitarren. Außerdem werden die Keyboardarrangements und –sounds experimentell und nicht selten auch von elektronischer Musik geprägt gehalten. Und auch in der Produktion haben wir großen Wert auf einen sehr modernen Sound gelegt, weshalb wir uns speziell auch für das Studio Fredman entschieden haben, da Fredrik Nordström eben diesen modernen, aggressiven und direkten Sound schon bei In Flames, Dimmu Borgir oder Arch Enemy eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Musicscan: Ihr lasst euch von vielen Musikstilen, sogar von Soundtracks, inspirieren. Habt ihr eure Mitte schon gefunden oder sucht ihr noch?

Lyfthrasyr: Insorior: Ich denke, dass wir mit unserer zweiten Platte einen großen Schritt in Richtung eigener Stil gemacht haben. Dennoch glaube ich nicht, dass das jetzt das Ende der Reise ist... Insofern kann man sagen, dass wir nicht mehr am aktiven Suchen sind, uns aber auf jeden Fall weiter inspirieren lassen werden.

Lyfthrasyr: Aggreash: Ich glaube sowieso nicht an eine Mitte, die man finden kann. Man wird immer sehr stark von seinen momentanen Favoriten beeinflusst und die wechseln bei mir ziemlich oft. Natürlich werden wir der Stilrichtung Black/Dark/Death Metal treu bleiben, aber mit Sicherheit werden uns auf dem nächsten Album eine Menge neuer Einflüsse inspirieren.

 
 Links:
  myspace.com/lyfthrasyr
 
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