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Heaven Shall Burn

Storie von: arne, am 29.01.2008 ]

“Iconoclast”, der neue Longplayer von HEAVEN SHALL BURN, setzt auf den erprobten Bandsound mit prägnanten Riffs, durchgezogener Double Bass und aggressiv - markantem Shouting. Hier und da setzen die Thüringer auf gedrosseltes Tempo und instrumentelle Atmosphäre, was auflockernd wirkt und dem Album größere Substanz verleiht.

 
Das Interesse an den Saalfeldern ist mit den Jahren und Veröffentlichungen kontinuierlich gewachsen, doch auf die fünf Musiker haben die sich veränderten Rahmenbedingungen keine Auswirkungen gehabt. HEAVEN SHALL BURN sind bodenständig und bescheiden geblieben:

„Wir bekommen schon mit, dass es Leute gibt, die auf unseren ersten Konzerten waren und heute immer noch kommen. So etwas freut uns natürlich. Gerade heutzutage, wo Vieles doch recht kurzlebig ist, ist so etwas was ganz Besonderes.“, meint Drummer Matthias. „Ich denke, dass es auch daran liegt, dass wir selbst immer noch die gleichen Typen sind, die wir vor zehn Jahren waren. So etwas merken die Leute und wissen das auch zu schätzen. Wir sind eben keine „Mucker“, die sich irgendwo auf einem Sockel sehen und den Rock’n Roll-Lifestyle leben, bis der Arzt kommt. Wir sind Leute, die ab und zu auf Konzerte gehen und selbst mitverfolgen, was sich musikalisch so tut. Wir sehen uns nur als Leute, die die Musik spielen, die ihnen gefällt und weniger als „Künstler“. So sind wir einfach nicht. Es fällt uns schwer, so etwas zu bewerten. Wir machen immer noch einfach nur unser Ding und sitzen nicht Zuhause rum und analysieren das. Natürlich kommen heute mehr Leute auf die Shows als früher und die Touren werden angenehmer, aber an uns ändert das ja nichts. Als Außenstehender macht man sich über solche Dinge vielleicht eher einen Kopf als wir selbst es tun.“

Diese Aussagen passen zur beständig fortschreitenden Arbeitsweise der Band, die schon früh zu einem markanten Sound gefunden und diesen bis heute immer weiter verfeinert hat. Alles andere wuchs ebenfalls mit: „Für uns war das eine stetige und ganz natürliche Entwicklung. Klar, als wir beispielsweise zum ersten Mal beim With Full Force auf der Bühne stehen durften, als wir noch als Consense das erste Mal im Ausland gespielt haben oder auch als wir das erste Mal mit Bolt Thrower die Bühne teilen durften, hatten wir selbst schon das Gefühl, dass das jetzt was Besonderes ist. Ich kann dir aber selbst aus heutiger Sicht nicht sagen, was jetzt wirklich wichtig für uns gewesen ist. Wir haben einfach die Dinge immer genommen, wie sie kamen und gar nicht groß nachgedacht. Vielleicht ist das auch ganz generell ein Problem: Es wird zuviel nachgedacht; zumindest über unwesentliche und unwichtige Dinge.“ Zielführend ist im Idealfall wohl ein gesunder Kompromiss aus Bauchgefühl und kritischer Reflexion. Andernfalls wäre alsbald Stagnation die Folge oder es bestünde die Gefahr, Fehler zu begehen.

Das richtige Bauchgefühl

Wenigstens für HEAVEN SHALL BURN hat sich der intuitive Weg bewährt, wie die vergangenen Jahren bewiesen haben: „Wir sind absolut von dem überzeugt, was wir machen und geben stets unser Bestes. Wenn wir uns für überbewertet halten würden, könnten wir auch aufhören.“, so Matthias auf den Ausnahme-Status der Saalfelder in der deutschen Metal-Szene angesprochen. „Außerdem ist es ja nun nicht so, dass wir verkaufen wie zum Beispiel Korn vor ein paar Jahren. Es gibt auch wahnsinnig viele schlechte Bands, die viel, viel mehr verkaufen als wir und auf der anderen Seite gibt es Bands, wo uns die Kinnlade runterklappt, die aber aus irgendwelchen Gründen weniger beachtet werden. Es ist halt so, wie es ist und das eine kommt an und das andere nicht.“

HEAVEN SHALL BURN treffen auf offene Ohren und haben längst zahllose Musiker und Bands inspiriert: „Wir verfolgen generell, was sich musikalisch so tut. Wir sind ja in erster Linie „Musikkonsumenten“. Wenn wir andere Bands beeinflussen können, ist das klasse. So schlecht kann es dann nicht sein, was wir machen. Hehe. Unser Sound ist aber auch nur ein Schmelztiegel der ganzen verschiedenen Sachen, die wir tagtäglich hören. Ich könnte dir jetzt aber keine konkrete Band nennen, bei der ich mit Sicherheit sagen könnte, dass sie von HSB beeinflusst ist. Dann würde ich wahrscheinlich eher eine unserer eigenen Einflüsse raushören, als uns selbst. Ich glaube auch, dass ich mir gar nicht anmaßen würde, irgendwo einen HSB-Einfluss zu finden.“ Und doch haben die Thüringer merkliche Spuren im deutschen Metal hinterlassen. Innovation ist im harten Musik-Bereich ohnehin ein rares Gut und für Matthias kein entscheidendes Kriterium: „Wenn ich Musik höre, suche ich gar nicht nach Innovation. Musik ist für mich in erster Linie ein Ausgleich und etwas, dass beim Dampfablassen hilft oder etwas, das eine bestimmte Stimmungslage begleitet. Das hat für mich eher etwas mit Emotionen zu tun und weniger mit dem Kopf oder detailgenauer Analyse. Ich kann dir maximal sagen, ob etwas für mich scheiße oder gut klingt.“

Angesichts dieser Maßgabe überrascht es nicht, dass bei HEAVEN SHALL BURN der Spaß im Vordergrund steht: „Was sollte uns auch sonst motivieren!?! Wir machen mit HSB genau das, worauf wir Bock haben und was uns Spaß bringt. Es mag Bands geben, die eine andere Motivation haben. Wir aber wollen einfach nur das machen, was uns selbst Freude bereitet. Eine Platte aufzunehmen, ist natürlich in erster Linie harte Arbeit, aber auch hier ist die Motivation ganz einfach, dass wir ein Endresultat in den Händen halten wollen.


Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, zu sehen, wie etwas langsam Form annimmt und zu etwas wird, mit dem wir am Ende zufrieden sind. An der Motivation hat sich seit unseren ersten musikalischen Schritten nichts geändert. Wir wollen zu anderen Bands nicht im Wettbewerb stehen oder krampfhaft versuchen, besser oder erfolgreicher als andere zu sein. So etwas spornt uns absolut nicht an.“

Dem Quintett geht es vielmehr darum, die eigenen Ideen auszuleben. So wie bei “Iconoclast“, dem neuen Album: „Die Platte wurde relativ schnell geschrieben, da die Ideen schon längere Zeit in unseren Köpfen herumschwirrten. Wir hatten aber erst jetzt das Gefühl, dass wir in der Lage sind, das alles in Form zu bringen. Manchmal probiert man über Monate hinweg einen Song zu schreiben und zu arrangieren und ein anderes Mal geht es Schlag auf Schlag. Wenn man so eine Phase hat, sollte man diese auch nutzen. Genau das haben wir gemacht und alles war recht schnell fertig. Warum sollten wir die neue Platte aufschieben, wenn die Ideen eh schon existierten?!? Durch die ganzen Shows im Sommer haben wir noch mal einen Extra-Schub bekommen. Die Shows haben uns eine gewisse Leichtigkeit verliehen, durch die das Ganze noch etwas einfacher von der Hand ging.“

Ihrem intuitiven Weg folgend, haben HEAVEN SHALL BURN im Songwriting wiederum allein ihrem treffsicheren Empfinden vertraut: „Wir werden uns ständig irgendwie weiter entwickeln. Zumindest so, dass wir selbst das Gefühl haben, wieder etwas besser als beim letzten Mal zu machen. Ob das nun der Hörer mitbekommt oder ob er Stagnation sieht, können wir selbstverständlich nicht wissen. Am Ende unserer Entwicklung sind wir sicherlich noch nicht, denn wir entwickeln uns immer noch ständig weiter. Die stilistische Bandbreite war eigentlich schon immer da. Vielleicht können wir es jetzt nur etwas effektiver einsetzen, weil wir auch das letzte bisschen Scheu abgelegt haben. Einflüsse waren auch diesmal wieder jede Band, jeder Künstler, jeder Schriftsteller, jeder Filmemacher, dessen Werke man so konsumiert. Alles hinterlässt einen Eindruck, ob man will oder nicht. Man kann ja schlecht sein Unterbewusstsein soweit steuern, dass man sortieren kann, was denn bitteschön ein Einfluss sein soll und was nicht.“

Das fünfte Album des Quintetts steht für einen „Kompromiss“ aus dem melodischen “Antigone“ und der metallisch-straighten Abrissbirne “Deaf To Our Prayers“. Zusätzlich liegt dem Songmaterial ein offener Anspruch zu Grunde, der im beschließenden Instrumental-Outro ’Equinox’ sowie dem vom eigentlichen Werk entkoppelten ’Atonement’ deutlich in den Vordergrund tritt. Und doch sind HEAVEN SHALL BURN allein sie selbst: „Das war so nicht bewusst, kommt wohl aber hin. Dass “Deaf To Our Prayers“ eine durchweg ballernde Scheibe werden sollte, war schon volle Absicht. Zu dem Zeitpunkt war uns einfach danach und „Iconoclast“ hat nun eben auch wieder ein paar ruhigere Komponenten, die beim Songwriting einfach so hinzugefügt worden sind. Die moderneren Elemente hatten wir auch schon ewig im Hinterkopf. So etwas wie den Beat, der Industrial-/ Dance-/ Rammstein-/ Whatever-mäßig klingt, wollten wir locker schon seit acht oder neun Jahren einbauen und diesmal fanden wir, dass es passt.“

Gegen Nazis!

Während die Kriegerkaste der Ikonoklasten sich im abstrakten Textüberbau von “Iconoclast“ aufmacht, die Mörder Gottes zu richten und so seinen Tod zu sühnen, gibt es in der deutschen Metal-Szene akuten Handlungsbedarf, um der rechten Unterwanderung aktiv (!) zu begegnen:

„Diese Strömungen gibt es verstärkt seit einigen Jahren und ich weiß wirklich nicht, warum einige immer noch nicht kapiert haben, dass es diese zu bekämpfen gilt! Viele bleiben gleichgültig und tolerieren das Ganze, solange sie nicht selbst auf die Mütze bekommen. Einige wollen den Metal einfach nur als Ventil für den Alltagsfrust und haben keinen Bock darauf, sich mit solchen „Randerscheinungen“ rumzuärgern und sich damit ihre Freizeit zu „versauen“. Das Problem ist aber, dass man über kurz oder lang gar nicht um eine Konfrontation herumkommen wird, weil sich das rechte Gesindel immer weiter ausbreitet. Zwar gibt es auf den Shows viele Leute, die das Problem ähnlich sehen, doch sie sind noch passiv und bekennen keine Farbe. Das ist beim Publikum so, aber auch bei vielen Bands. Man will sich nicht äußern und bleibt lieber im Hintergrund. Fakt ist doch aber, dass der Großteil der Metal-Fans nichts mit Nazis zu tun hat und auch nichts mit ihnen zu schaffen haben will. Das ist unsere Erfahrung und deswegen ist es umso tragischer, dass einige Festivals für Außenstehende von dem geringen Prozentsatz an Hohlköpfen geprägt werden. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich Anfang der 90er von vier Nazis wegen meiner langen Haare auf die Fresse bekommen habe und einigen Kollegen von mir ging es ähnlich. Umso weniger kann ich verstehen, wie man Menschen, die Gleichschaltung wollen und die Kunst nur akzeptieren, wenn sie in ihren Augen „nicht entartet“ ist, in der Metal-Szene stillschweigend hinnehmen kann.“

Es ist wirklich höchste Zeit, dass wir alle aktiv Farbe bekennen!

 
 Links:
  heavenshallburn.com
 
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