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Tephra

Storie von: arne, am 20.12.2007 ]

Die Berlin-Braunschweiger Formation TEPHRA begeisterte bereits vor zwei Jahren mit ihrem unbetitelt belassenen Debüt, dass Vergleiche mit Veröffentlichungen von Neurosis, The Ocean, Burst, Cult Of Luna oder Mastodon nicht scheuen musste. Für eine breite Aufmerksamkeit reichte es allerdings nicht. Vielleicht ist der richtige Zeitpunkt ja jetzt zum Release des zweiten Albums “A Modicum Of Truth” gekommen.

 
Elemente aus Noise, Heavy Metal, Sludge und Doom formen den vielschichtigen Sound von TEPHRA, die sich stilistisch nicht einordnen lassen. Mal braten die Musiker mit unglaublicher Wucht und Intensität; an anderer Stelle zeigen sie sich spärlich instrumentiert fragil und „verletzlich“ angelegt. Gerade das fördert die Spannung. „In unserem Fall bekommt man es mit einer Band, die sich und ihre Arbeit sehr ernst nimmt.“, formuliert Sänger Ercü das Selbstverständnis der Formation. „Wir sind fünf Persönlichkeiten, die alle grundverschieden sind, die aber immer wieder auf einen Nenner kommen und gemeinsam ihren Weg gehen.“

Obwohl die Musiker sowohl in Berlin als auch Braunschweig leben, handelt es sich um ein festes Bandgefüge, das produktiv und auch auf Tour ist. Die eigenen Ansprüche sind dabei mit der Zeit gewachsen: „Zunächst hatten wir Ziele, die anfangs wohl jede Band hat. Das waren u. a. ein Demo aufnehmen, Shows zu bekommen und auf einem Label zu landen. Diese haben wir mittlerweile erreicht. Mit “A Modicum Of Truth” sind wir ja bereits bei unserem zweiten Album angelangt. Wir haben ein cooles Label gefunden und Touren mit Bands wie Red Sparowes, Cult of Luna, Planes Mistaken For Stars oder Tornavalanche gespielt. Nach unserem Demo hat sich für uns eine Menge ergeben und die Entwicklung bis heute ist mehr als positiv, wie ich finde.“

Keinen Bock auf Abzocke

Auch wenn Sänger Ercü TEPHRA nicht als Kritikerliebling sieht, schätzt er doch den Umstand, dass die Gruppe Reaktionen hervorruft: „Es kann für eine Band nicht Besseres geben, als von Kritikern geliebt oder gehasst zu werden. Auf jeden Fall bleibt man in aller Munde. Ob wir uns nun überbewertet fühlen sollen, kann ich wirklich nicht sagen, denn das liegt ganz allein an den Journalisten und Hörern. Wir leben, lieben und schätzen uns und unsere Musik. Und das unabhängig davon, wie sie aufgenommen wird.“ Durch den breiten Erfolg von Isis und Mastodon dürfte sich der potenzielle Hörerkreis für die Riptide-Band vergrößert haben. Denn während die eine Gruppe sphärische Gitarrenarbeit in den Indie-Rock gebracht hat, ist von der anderen das Prog-Revival maßgeblich mit vorangetrieben worden:

„Ob wir davon profitieren, kann man so und so sehen. Dass unsere Art von Musik heutzutage viele verschiedene Hörer erreicht, stimmt aber schon. Es ist aus meiner Sicht aber mehr eine Erweiterung des Horizonts im musikalischen Sinne. Für uns und alle, die so etwas hören. Bands wie King Crimson, Pink Floyd, Anathema oder My Dying Bride haben uns eigentlich schon vor Jahren gezeigt, dass so etwas möglich ist. Sphärisch und progressiv zugleich zu sein, ist letztlich nichts Neues.“ Dass “A Modicum Of Truth“ wie schon das Debüt über Riptide erscheint, ist von TEPHRA so gewollt. Auch in dieser Hinsicht nichts Neues: „Es war im Endeffekt eine sehr gute Entscheidung, bei unserem alten Label zu bleiben. Wir hatten von diversen größeren Labels und auch einem


Major Angebote vorliegen, aber da hätten wir „unsere Ärsche verkauft“ und auf so eine Abzocke hatte keiner von uns Bock. Wir sind glücklich und froh darüber, einen so guten Draht zu unserem Label zu haben. Es ist ein Stück Familie und wir können tun und lassen, was wir wollen. Diese Freiheit und Umgangsweise ist bei größeren Labels doch eher limitiert.“

Kein Schnellschuss

TEPHRA verbleiben über weite Strecken hinweg instrumental und arbeiten mit dem Einsatz von Vocals sehr bewusst. Und doch wirken die Instrumental-Passagen weder zufällig noch Jam-artig, wie es bei vielen der Kollegen der Fall ist: „Ich kann verstehen, was du meinst.“, entgegnet Sänger Ercü. „Ich persönlich bin auch kein Freund reiner Instrumental-Bands. Mittlerweile klingen viele gleich und es wird stundenlang auf Effektgeräten gehascht. Es ödet mich an, wenn absolut kein Gesang, Gebrüll oder direkte Gitarren auftauchen. Es muss schon ein guter, ausgewogener Ausgleich zwischen Instrumental-Parts und direkten Gitarren-Gesangs-Attacken bestehen.“

Angesichts dieser Aussage verwundert es nicht, dass das Material für “A Modicum Of Truth“ bereits vor den Aufnahmen fast vollständig stand: „Wir haben zu vielleicht noch zehn Prozent improvisiert. Dazu zählt beispielsweise der Gesang von Sonja Baumann auf ’In The Valley’. Wir hatten uns diesmal viel Zeit für das Album genommen. Es hat sich gelohnt, nicht so überhastet ins Studio gegangen zu sein. Beim ersten Mal wollten wir noch unbedingt ein Release auf den Markt bringen.“ Zu einer solchen Erkenntnis muss man als Band erst einmal gelangen. Doch man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben und dem eigenen Anspruch: „Es ist wichtig, diesen Ausspruch in seinem Leben Beachtung zu schenken. All diese Touren und das Herausbringen von Alben etc. lässt einen reicher an Erfahrung werden und später profitiert man davon. Das kann man an der neuen Platte hören, die sich gegenüber dem Debüt stark verändert hat.“

Wider dem Mainstream

TEPHRA haben von jeher Songs geschrieben, denen man Zeit und Konzentration widmen muss. In der heutigen, schnelllebigen Zeit ist das fast schon mutig: „Wir machen halt keinen Street-Punk, wo du Party machen kannst und all deine Sorgen vergisst.“, entgegnet Ercü. „Unsere Musik fordert Konzentration und Hingabe. Es ist interessant, wie sich das alles entwickelt hat. Wir sind sehr stolz darauf, dass mittlerweile Menschen aus allen Musikrichtungen unsere Musik hören, Platten kaufen oder zu den Shows kommen. Für uns ist diese Vielseitigkeit wichtig. Egal, ob nun musikalisch oder menschlich, es ist nichts langweiliger, als immer die gleiche Schiene zu fahren. Warum sich mit uns zu beschäftigen!? Vielleicht, weil es interessant ist, zu sehen, wie so verschiedene Charaktere auf einen Nenner kommen. Und vielleicht auch, um ein gutes Beispiel dafür zu hören, dass man nicht immer Mainstream sein muss, um etwas Schönes im Leben zu erreichen und teilen zu können.“

 
 Links:
  myspace.com/tephramusic
 
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