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The Dillinger Escape Plan

Storie von: arne, am 26.10.2007 ]

Mit “Ire Works” erscheint das von den Fans so sehnsüchtig erwartete neue Album des THE DILLINGER ESCAPE PLANs, der sich nach kleinerer Ruhephase schwergewichtig und so eingängig wie niemals zuvor zurück meldet. Abermals dürfte die Relapse-Kombo polarisieren, denn die Kombination exzellenter Technik und äußerst verträglicher Momente bietet allemal Zündstoff.

 
„Wir stehen in den Startlöchern, endlich wieder auf Tour zu gehen und sehen der Veröffentlichung von “Ire Works” mit Spannung entgegen.“ äußert sich Gitarrist und Gründungsmitglied Benjamin Weinman gleich zu Beginn des Gespräches hoch motiviert: „Für das Touren proben wir derzeit sehr intensiv, denn zum einen stehen zwei neue Bandmitglieder in unseren Reihen und zum anderen haben auch wir anderen seit mehr als einem Jahr keine Show mehr gespielt. Wir laufen von einer Herausforderung zur nächsten, aber das fühlt sich sehr gut an.“ Die Fans dürften sich ebenso freuen, endlich Klarheit zu haben. In den letzten Monaten kursierten in Bezug auf THE DILLINGER ESCAPE PLAN die unterschiedlichsten Gerüchte im Internet, doch niemand wusste etwas Genaues. Und die Musiker übten sich in vornehmem Schweigen: „Das war nicht unbedingt so beabsichtigt. Es verhielt sich eher so, dass wir in der Arbeit an der Platte unvorhersehbare Probleme zu lösen hatten, denen wir alle Aufmerksamkeit widmen mussten. Deshalb haben wir uns völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Wir brauchten die Ruhe, um uns voll und ganz auf die Songs konzentrieren zu können. Über Zwischenstände hätten wir kaum etwas sagen können, denn auch für uns brachte jeder Tag neue Erkenntnisse. Wir machten einen kleinen Schritt nach dem anderen, bis dann irgendwann das Album fertig war.“

Als Fakt erweist es sich nun, dass die Relapse-Kombo erneut mit neuen Mitgliedern an den Start geht: „Ja, es stimmt. Es hat Veränderungen im Line-Up gegeben, aber für die Band hat das dieses Mal wie eine Frischzellenkur gewirkt. Zwei Mal sind wir an Punkten gewesen, wo es nicht mehr weiter zu gehen schien. Und beide Male sorgte der Einfluss einer neuen Person dafür, dass es letztlich doch weiter ging. Ihre externe Sicht und ihre grenzenlose Motivation, nun Teil von THE DILLINGER ESCAPE PLAN zu sein, setzte ungeahnte Kreativität frei, von der wir alle profitierten. Unser neuer Drummer heißt Gil Sharone. Er stammt eigentlich aus einem Jazz- und Soul-Background, doch gerade mit seinem Feeling passt er hervorragend zu uns. Daneben haben wir mit Jeff Tuttle einen neuen Gitarristen in unseren Reihen. Er war schon immer ein enger Freund und großer Fan der Band. Da er auch ein versierter und kreativer Gitarrist ist, lag die Entscheidung auf der Hand, von nun an auf seine Dienste zu setzen. Unser Line-Up ist fest, wir alle sind gleichermaßen motiviert und ich bin zuversichtlich, dass sich daran auch auf Tour nichts ändern wird.“

Warum auch? Schließlich legt man mit “Ire Works“ ein immens starkes Album vor, auf das man als Musiker stolz sein muss und mit dem man neuerlich Standards setzt. Der Vermutung, der THE DILLINGER ESCAPE PLAN hätte sich ganz bewusst aus der Öffentlichkeit gezogen, um sich vor externem Druck zu schützen, widerspricht Weinman: „Man braucht keinen zusätzlichen Druck auf uns auszuüben und das geht auch gar nicht. Wir selbst sind unsere schärfsten Kritiker und streben ohnehin immer nach dem best Möglichen. Ohne zu selbstbewusst zu klingen, ist “Ire Works“ unser bislang stärkstes Album. Wenigstens wir als Band fühlen, dass wir, anders als bei allen bisherigen Releases, einfach alles richtig gemacht haben. Deshalb schauen wir auch gar nicht so sehr auf das, was Fremde über die Platte denken und konzentrieren uns lieber darauf, die richtige Tour-Form aufzubauen. Was an uns herangetragen wurde, war jedoch durchweg positiv. Das bestätigt die eingeschlagene Richtung. Die Zeit ist gekommen, dass wir wieder raus gehen und ein neuerliches Statement abgeben.“ Und auch an den Gerüchten über ein zwischenzeitliches Major-Signing ist nach Auskunft des Gitarristen nichts dran: „Daran ist kein Funken Wahrheit. “Ire Works“ erscheint auf Relapse, dem Label, auf dem auch unsere anderen Alben erschienen sind. Etwas anderes stand auch nie zur Debatte. Sicherlich haben größere Firmen Interesse bekundet und Angebote abgegeben, doch für uns als Band hat es schlichtweg keinen Sinn, auf ein Major-Label zu gehen. Das passt einfach nicht.”

Nachdem sich viele Hörer der frühen THE DILLINGER ESCAPE PLAN bereits im Umgang mit “Miss Machine“ schwer getan haben, werden sie von “Ire Works“ abermals auf die Probe gestellt. Die Musiker forcieren ihr melodisches und verträgliches Potenzial: „Als wir damals in die Arbeit an “Miss Machine” gingen, wollten wir kein zweites “Calculating Infinity“ aufnehmen.“ erläutert es Weinman: „Hätten wir dieses getan, wären


die Leute enttäuscht und wir nicht herausgefordert gewesen. Wir wussten aber auch, dass, wenn wir eine Platte herausbringen würden, die sich deutlich von der ersten unterscheidet, wenigstens einige Leute nicht zufrieden gewesen wären. So oder so mussten wir uns auf Kritik einstellen, denn es gab keinen Weg, es allen recht zu machen. Danach sollte man als Musiker ohnehin nicht streben. Wir sind also einfach unseren Ideen und Bedürfnissen gefolgt und das ist der einzig richtige Weg. Leute, die engstirnig sind und nicht das große Bild im Blick haben, hören uns nicht länger, aber das ist für uns völlig okay. Wir wollen viel lieber die Hörer, die akzeptieren, dass THE DILLINGER ESCAPE PLAN eine wandlungsfähige Band ist, die sich entwickelt und gerne auch neue Dinge ausprobiert. Stillstand ist der Tod jeder Band und da sind wir doch lieber unberechenbar.“ Ein gleich bleibenden Grundtenor besteht ja durchaus: „Ich denke schon, dass es so etwas wie einen wahrnehmbaren Stil gibt, der sich auf all unseren Veröffentlichungen wieder findet. In jedem Fall ist der Vibe jeweils derselbe. Um aber für sich selbst und auch für die Fans die Spannung aufrecht zu erhalten, und um sich beständig selbst heraus zu fordern, muss man immer auch Neues anbieten und experimentieren. Dafür möchte ich bekannt sein und das verstehe ich unter künstlerischer Freiheit.“ Nicht zuletzt bietet diese Einstellung auch die Basis dafür, dass man Hörer jenseits der zu erwartenden Genre-Kreise anspricht. THE DILLINGER ESCAPE PLAN wird längst auch außerhalb der extremen Frickel-Szene geschätzt: „Wenn uns jemand mag, der sonst kein Faible für schwere Musik hat, weiß ich, dass wir etwas richtig gemacht haben. Persönlich mag ich vor allem die Künstler und Gruppen, die etwas Eigenes jenseits der ausgetretenen Pfade wagen und ihrer eigenen Linie folgen. Danach streben auch wir mit THE DILLINGER ESCAPE PLAN und das möchte ich erreichen. Wenn man als innovativ und eigenständig anerkannt wird, gibt es kein größeres Lob. Gerade in einer Zeit, in der es so unglaublich viele Bands und Veröffentlichungen gibt.“

Zum Album selbst geht der Gitarrist nicht ins Detail und belässt es bei der Skizzierung des Rahmens: „Die Leute sollen die Stücke und ihre Aussagen für sich selbst entdecken und nachvollziehen. Dabei müssen sie möglichst unvoreingenommen und aufmerksam sein. Nur so viel: Thematisch haben wir uns stark von dem Technologie-Zeitalter, in dem wir leben, beeinflussen lassen. Wir streben nicht mehr nur danach, Computer oder Roboter zu bauen, die menschliche Eigenschaften besitzen. Wir selbst lernen bereits aus oder über Computer, wie wir uns als Menschen zu verhalten haben oder sehen wenigstens, was andere tun. Clips auf Youtube sind da nur ein Beispiel. Kids in Japan kleiden sich nach den neuesten Trends der New Yorker Mode, weil sie es im Internet gesehen haben. Neben diesem letztlich noch harmlosen Beispiel gibt es auch viele schlimme Geschichten, die nachgestellt werden. Auf die Musik bezogen: Man muss nicht weiter daran arbeiten, dass Electronics möglichst organisch klingen. Es ist ja bereits so weit, dass von Hand gemachte Musik immer stärker von Electronics beeinflusst wird.“

Auf musikalischer Seite bedeutet dies etwas konkreter: „Bei der Arbeit an “Ire Works” ging es uns vor allem darum, das, was wir bereits auf den letzten Platten gemacht hatten, noch besser umzusetzen. All unsere Erfahrungen und das Lehrgeld der letzten Jahre sind in das Songwriting der neuen Stücke eingeflossen. Die innovativen und experimentellen Momente von “Ire Works“ hängen eng mit unseren Fortschritten im Umgang mit den Electronics zusammen. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit Sound-Designs und Programming beschäftigt, was letztlich auch auf mein Gitarrenspiel und die Rhythmen durchschlägt. Technisch genug sind wir ja ohnehin schon gewesen. Da wir nie danach gestrebt haben, die krasseste Band der Welt zu sein, standen für uns eher Fragen der Produktion und Akzentuierung von Details im Vordergrund. Der Hauptgrund dafür, dass alles etwas länger dauerte, war einzig und allein der, dass wir zunächst keinen Drummer hatten. Ich musste die Drums für das komplette Album programmieren. Als wir dann endlich einen Trommler gefunden hatten, musste er die Parts einstudieren und richtig tight werden. Erst danach konnten wir aufnehmen, wobei selbst noch der späte Einstieg eines neuen Bandmitglieds das Ergebnis noch entscheidend verändert hat.“

 
 Links:
  dillingerescapeplan.com
 
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