Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1823

Long Distance Calling

Storie von: arne, am 18.10.2007 ]

Innerhalb kürzester Zeit haben es LONG DISTANCE CALLING von einem losen Projekt hin zu einer viel beachteten Band geschafft. Und das, obwohl (oder gerade weil?) sie allein instrumental agieren. Über das Berliner Label Viva Hate ist gerade das Debüt-Album “Satellite Bay” erschienen.

 
“Zu Anfang haben Janosch, Dave, Florian und Jan zusammen Sound gemacht. Irgendwann haben mich die Jungs gefragt, ob ich nicht mal vorbeikommen wolle, um mir deren Sound anzuhören.” erzählt Soundtüftler Reimut, der für den füllenden Noise und die Samples der Münsteraner-Dortmunder-Mannheimer-Band zuständig ist:

“Sie wussten, dass ich aus unserem Bekanntenkreis einer der Wenigen bin, der elektronische Musik hört und auch selber macht. Zur Auswahl stand, entweder einen Sänger in die Band zu holen, oder mich mit einer komplett neuen Komponente, mit der niemand vorher im Kontext einer Band gearbeitet hatte. Nach einigen Jams mit Sängern entschieden sich die Vier dafür, mich ins Boot zu holen. Seitdem sind LONG DISTANCE CALLING eine Instrumentalband, die offen für Vocals ist.”

Der Gastauftritt von The Haunted’s Peter Dolving im härtesten Track ’Built Without Hands’ des Debüts beweist es, doch im Einsatz von Vocals zeigt sich die Gruppe bewusst vorsichtig. Reimut (ex-Muab Dib) versteht es geradezu als Vorzug, keinen festen Sänger im Line-Up zu haben und vornehmlich instrumental zu agieren:

“Man könnte auch fragen, ob Bands mit Sängern nicht ein Problem haben, nämlich den Sänger. Nicht, dass sich jetzt jemand angegriffen fühlt, aber es ist doch einfach so, dass sobald ein Sänger die Bühne betritt, das Bandgefüge verschoben wird. Der Sänger steht im Mittelpunkt bei Auftritten, ist sozusagen das Sprachrohr und das Gesicht der Band. Selbst die Songs müssen teilweise an den Sänger angepasst werden. Oder um ein Erlebnis aus meiner Vergangenheit anzuführen, kann ich von jemandem erzählen, der es in über drei Jahren Bandzugehörigkeit nicht geregelt bekommen hat auch nur einen Text zu schreiben, geschweige denn die Texte anderer zu können, oder nur ansatzweise regelmäßig zu den Proben zu kommen. Diese ganzen Punkte kommen bei einer Instrumentalband einfach nicht zum Tragen und ermöglichen viel mehr, als dass sie begrenzen.”

Und auch der Trend der Zeit spielt der Viva Hate-Kombo in die Karten. Sphärische Gitarrenarbeit hat längst Einszug


in den “Mainstream-Indie” gehalten: “Wenn man die Frage aus Sicht der Popularität aufgreift, so denke ich, dass die instrumentale Musik unter einem guten Stern steht. Ich höre diese Art von Musik schon lange und meine, eine stetige positive Weiterentwicklung und größere Akzeptanz von Seiten der Musikbegeisterten festzustellen. Viele Leute sind überrascht, wenn ich von LONG DISTANCE CALLING erzähle und erwähne, dass wir keinen Sänger haben. Das ist im ersten Moment schwer vorzustellen, für jemanden, der sich mit Musik nicht so extrem auseinander setzt. Die Reaktion ist doch fast jedesmal erstens überrascht, weil die Musik auch ohne Stimme funktioniert. Und zum anderen, weil es Musik ist, die nicht allgegenwärtig von morgens bis abends im Fernsehen oder sonst wo stattfindet und den Leuten trotzdem gefällt. Daraus kann man doch den Schluss ziehen; wenn das Augenmerk einiger Labels verstärkt auf so eine Musik gelenkt werden würde und dafür der Barbiefaktor reduziert werden würde, wären es sicherlich nicht wenige, die auf instrumental abfahren. Diese Musik funktioniert ja auch ganz anders – eher als Gesamtbild und Kopfsoundtrack – im Gegensatz zu Drei-Minuten-Häppchen mit ner anderen kurzen Story über irgendein Thema.”

Allerdings müssen dann sowohl die Einstellung als auch das Handwerkliche stimmen – so wie im Fall von LONG DISTANCE CALLING. Bereits das sympathische Bandfoto nimmt für das Quintett ein:

“Es ist ein zufälliger Schnappschuss nach einem Konzert im Kölner Prime Club, als Jan mal wieder einen Spruch gerissen hat. Wir mussten lachen, der Auslöser klickte, und schon war das Foto im Kasten. Auch, wenn das Foto eher durch Zufall entstand, ist das Bild schon typisch für uns. Wir lachen eigentlich andauernd und haben einfach viel Spaß miteinander. Der Spaß ist auch ein ganz zentraler Punkt bei LONG DISTANCE CALLING. Das wir vom Äußeren vielleicht nicht wie „aus einem Guss“ aussehen, hat vielleicht einfach den Grund, dass wir nicht gecastet sind und uns mehr Gedanken über Musik, als irgendwelche „Frisuren“ zu machen.”

 
 Links:
  myspace.com/longdistancecalling
 
oben
Platte der Woche:

Die letzten Reviews:

  Atreyu
  Erra
  Lasershark
  Primal Age
  Caliban

Interviews/Stories:

  Massen
  Kalandra
  Ixion

Shows: