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Leng Tch’e

Storie von: arne, am 13.04.2007 ]

LENG TCH'E legen mit “Marasmus“ ihren zweiten Longplayer für Relapse vor und lassen es auf diesem erneut ordentlich krachen. Das Quintett ist längst ein Garant für treffsichere Extrem-Massaker der Extraklasse, und dieser Marschrichtung bleibt man einmal mehr treu. Die bisherigen Releases des Powerhouses schwankten in ihrer musikalischen Akzentuierung zwischen Grind, Death und Chaos-Core, so tut es auch die neue Platte, die allerfeinste Crazy-Sounds liefert.

 
LENG TCH’E sind in ihrer frechen, technisch verspielten Anlage mit Großkalibern wie Misery Index, Brutal Truth, Cephalic Carnage oder Bodies In The Gears Of The Apparatus vergleichbar, und den Genannten steht man in nichts nach. Mit handwerklicher Präzision, ungestümen Blasts und verrückten Ideen kreieren die fünf Belgier einen aberwitzigen Brutalo-Cocktail, den man besser nicht beim Autofahren hören sollte. Unweigerlich tritt man das Gaspedal durch, was dem Flensburger Punktekonto gegebenenfalls nicht zuträglich und obendrein auch teuer sein kann. Nach seiner Meinung zum derzeitigen Status der Grind’n’Death-Szene befragt, entgegnet Bassist Nicolas:

„Um ehrlich zu sein gibt es gar nicht so viele Death- oder Grind-Bands, die mich noch interessieren oder die mich inspirieren. Der Death-Metal hat sich in den letzten Jahren zu einer Spielart entwickelt, in der es entweder darum geht, am schnellsten und technischsten auszuspielen, oder, noch schlimmer, darum, wer am satanistischsten drauf ist. Das gibt mir nichts. Und Grindcore - entweder klingen die Bands nach 1998er Napalm Death oder sind stupider Pornogrind oder wie auch immer sie das bezeichnen. Das Problem des Grinds liegt meiner Ansicht nach darin begründet, dass sich jeder Musikstil weiterentwickeln muss, was im Grindcore verboten ist. Schau dir an, was mit Napalm Death passierte, als die Mitte der 1990er Jahre begannen, zu experimentieren. Das spricht Bände. Natürlich gibt es einige gute Gruppen, doch viele sind es derzeit nicht. Nasum waren fantastisch und Rotten Sound sind es auch, doch wenn es um neuartige Metal-Sounds geht, höre ich lieber Stuff wie Gojira.“

Von den Hardcore-Strömungen der jüngsten Vergangenheit zeigt sich der Musiker ebenfalls unbeeindruckt: „Ich denke, dass Screamo und MetalCore etwas für Leute ist, die harte Musik hören möchten, mit richtig brutalen Bands allerdings noch nicht umgehen können. Einige der Gruppen aus diesen Richtungen sind nicht mehr als „Bubblegum-Pop“ mit schweren Gitarren. Das ist doch nichts Echtes. Als ich zwölf Jahre alt gewesen bin, waren Slayer meine Welt, doch für die Kids heutzutage sind sie scheinbar zu intensiv und knallig. Aber wen kümmert das? In einem halben Jahr hören die Kids entweder andere Musikrichtungen oder sie haben richtigen Metal entdeckt. Trends kommen und gehen, das tangiert uns eigentlich nicht. Denn bereits im nächsten Moment fahren die Leute auf etwas anderes ab. Das kann man weder steuern, noch sollte man sich davon beeinflussen lassen. Mit LENG TCH’E spielen wir seit unserer Gründung das, was wir lieben. Wir zeigen uns gegenüber allen Strömungen unempfänglich und ziehen unser Ding durch. Letztlich suchen die Leute doch stets nach etwas,


das sie flasht, ob das nun Heavy-Musik oder Pop ist. Tracks müssen catchy sein, egal in welchem Genre sie angesiedelt sind. Und das ist ganz genau das, wonach wir mit unserer extremen Anlage streben.“

Mit der eigenen Vergangenheit bricht die Relapse-Kombo mit “Marasmus“ einstückweit, denn die Scheibe ist nicht mehr ausschließlich Death’n’Grind: „Sicherlich rekrutiert sich die Mehrheit unserer Fans aus dem Grindcore-Lager, doch ich selbst sehe uns musikalisch längst nicht mehr in dieser Ecke.“ so Bassist Nicolas: „Wir genießen es nach wie vor, Grindcore-Shows zu spielen, aber spätestens jetzt mit dem neuen Album haben wir uns endgültig aus der spartigen Enge befreit. Hoffentlich werden die Leute diese Entwicklung mitgehen und auch die neuen Stücke mögen. Da wir uns mit “Marasmus“ im Umbrauch befinden, gehe ich nicht davon aus, dass gerade wir die Band sein werden, die in den Augen der Leute diejenige sein wird, die die Lücke ausfüllt, die Nasum hinterlassen haben. Wir werden definitiv nicht „das nächste große Ding“ sein, auch wenn es Stimmen in dieser Richtung gegeben hat. Dafür gibt es uns auch schon zu lange.“

Die musikalische Weiterentwicklung wurde von den Belgien ganz bewusst forciert: „Das resultiert vor allem aus unserem Unwillen, uns auf ein Genre einschränken zu lassen. So einfach wollen wir es weder uns noch den Fans machen. Wir alle hören unterschiedlichste Stile und Bands, und was immer zum LENG TCH’E-Sound kompatibel erscheint, wird integriert. Etwas vereinfacht stoßen in unseren Stücken Grindcore, Death-Metal, Hardcore und Stonerrock zusammen, um in ihrer neuen Kombination etwas Brutales und doch auch Eingängiges zu erschaffen.“ Tendenziell wirkt “Marasmus“ dabei einen Tick entspannter, auch wenn Nicolas das anders sieht:

„In jedem einzelnen Song sind nach wie vor Blastbeats zu finden. Es stimmt schon, dass wir stärker als in der Vergangenheit mit MidTempo-Parts gearbeitet haben, so dass die Platte im Ganzen etwas grooviger klingt, doch auf der anderen Seite sind die Blastbeats unsere bislang schnellsten. Im Ergebnis steht aus meiner Sicht unser aggressivstes und direktestes Album.“ Ganz egal, wie sich die weitere Entwicklung von LENG TCH’E auch vollziehen mag, eines verspricht der Bassist: „In unseren Stücken wird es auf ewig Blastbeats und grindy Parts geben, so viel steht schon einmal fest. Diesbezüglich brauchen sich unsere Fans keine Sorgen zu machen. Wir werden die extremen Grind- und Death-Elemente niemals über Bord werfen, denn gerade diese zeichnen uns aus.“

So lange die Belgier derart verspielt und sick wie auf “Marasmus“ bleiben, ist die Welt sowieso in Ordnung. Die Losung kam demnach nur lauten: Wider dem Bubblegum-Pop!

 
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