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Liv Kristine

Interview von: Torsten Ostwald mit Live Kristine, am: 16.03.2006 ]

Liv Kristine jemanden in der Metal-Szene und darüber hinaus vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen (oder so ähnlich). Anlässlich ihres jüngsten Solo-Albums "Enter My Religion", kam ich nicht umhin der begnadeten Sängerin ein paar Antworten zu entlocken, die nicht nur ihr äußerst abwechslungsreiches und stimmungsvolles Album betreffen, sondern auch ihr Privatleben.

 

Musicscan: Hallo Liv Kristine. Herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Solo-Album "Enter My Religion". Es ist sehr abwechslungsreich und stimmungsvoll geworden, warum hat es aber fast 8 Jahre gedauert, um ein neues Album aufzunehmen?

Liv Kristine: Das lag hauptsächlich an einem Vertragsstreit mit der alten Plattenfirma (Massacre Records). Leider hat sich das jahrelang hingezogen und hat auch viel Nerven und Geduld gekostet. Das Material zum neuen Album war allerdings schon größtenteils fertig in Form von Demos. Glücklicherweise war es dann nicht mehr schwierig bei Roadrunner Records einen neuen Vertrag zu bekommen.

Musicscan: Woran liegt es, dass dein neues Album so vielschichtig und tiefgründig ausgefallen ist?

Liv Kristine: Erstens ist der Stress mit dem Rechtsstreit vorüber, auch war "Deus Ex Machina" in erster Linie als Projekt gedacht. So hat z.B. jemand anderes die Texte geschrieben, so dass meine Eigenbeteiligung in Grenzen blieb. Das neue Album handelt viel von meinem persönlichen Lebensgefühl und meiner inneren Einstellung zum Leben an sich. Daher mag der Name "Enter My Religion" für manche etwas provokativ sein, doch ich sehe Religion als nicht statisch an, und das tägliche Leben an sich ist schon ein kleines Wunder. So gesehen beschreibt die Platte eine Einladung in mein Lebensgefühl. Ich halte viel von inneren Werten.

Musicscan: Inwieweit hast du eigentlich eine Gesangsausbildung und woher kommen deine musikalischen Einflüsse?

Liv Kristine: Also eine Ausbildung in dem Sinne besitze ich gar nicht, da ich schon seit Kindheit an ein Talent für Musik habe. Ich bin ja sozusagen mit Musik aufgewachsen. Durch meinen Vater lernte ich früh Bands wie z.B. Black Sabbath kennen, aber auch klassische Musik und Kirchengesang. Früher sang ich auch schon Lieder von Madonna. Eigentlich konnte ich schon Singen bevor ich laufen gelernt habe. Es liegt mir sozusagen im Blut. Noten habe ich selten für Musik gebraucht, da ich grundsätzlich ein Gespür für Melodien habe und eigentlich jedes Lied was ich höre sofort mitsingen kann, aber ich überlege mir in Zukunft vielleicht eine musikalische Ausbildung in Angriff zu nehmen.

Musicscan: Warum hast du gerade "Streets Of Philadelphia" von Bruce Springsteen als Coverversion für dein Album ausgewählt?

Liv Kristine: Ich habe dieses Lied schon immer gemocht und bewundere gerade in diesem Song das Talent von "The Boss" sich emotional auf den Text und das Lied einzustellen. Ich selber singe auch immer mit Emotion und mag eigentlich das pure Nachsingen nach Noten nicht so sehr, da viel von dem Gefühl eines Stückes dann verloren geht. Der Cover-Song war auch eines der weinigen Lieder bei dem ich mir das Original mehrmals angehört habe, um die Stimmung zu erfassen.

Musicscan: Als du noch bei Theatre Of Tragedy warst, war zu bemerken, dass seit dem Album "Mu:zik" (2000) du deine Stimme doch sehr variantenreich einsetzt. Wie kam es dazu?

Liv Kristine: Nun, fest vorgenommen habe ich mir das nicht, aber ich stelle mich persönlich jedes Mal auf einen Song emotional ein und daraufhin wird natürlich auch mein Gesang anders. Es ist aber sicherlich richtig, dass ich selbst Lust gehabt habe auch andere Dinge auszuprobieren.

Musicscan: Das merkt man natürlich deutlich an deiner anderen Band Leaves Eyes und diversen Projekten von anderen Musikern wie z.B. Cradle of Filth. Woher nimmst du all die Zeit für diese Dinge und warum so viele unterschiedliche Projekte?

Liv Kristine: Mein Geschmack und persönliche Bandbreite an Musik ist doch recht groß und all das kann ich gar nicht nur in einer Sache auffangen. Deshalb habe ich Leaves Eyes mit Musikern von Atrocity und auch meine eigenes Solo-Projekt. Auch suche ich mir nicht andere Musiker aus weil sie z.B. berühmt oder so toll sind. Ich gehe immer nach der Musik, ob sie mir gerade gefällt und ich daran interessiert bin. Am Dienstag z.B. gehe ich wieder ins Studio um dort mit Dani von Cradle Of Filth einen Song für ihr kommendes Album einzusingen. Das mit der Zeit muss natürlich gut geplant sein. Eigentlich komme ich nicht umhin schon am Ende eines Jahres das nächste komplett durchzuplanen. Ansonsten schafft man das nicht mit all den Konzerten und Aufnahmen im Studio und Presseterminen. Ich bin da schon ein wenig ein Perfektionist mir selbst gegenüber und mach die Dinge alle gerne selber und überlasse sie nicht anderen.

Musicscan: Wie schaffst du dann dein Privatleben und deine Arbeit unter einen Hut zu bringen? Immerhin hast du ja auch einen Sohn und Familie.

Liv Kristine: Ja, das ist sicherlich nicht leicht, aber ich wusste ja schon von Anfang an worauf ich mich Einlasse bei meiner musikalischen Karriere. Die Familie wird eben auch soweit es geht mit eingebunden. Ich bin auch gerne Mutter und kümmere mich um meinen Sohn, all das widerspricht sich nicht. Soweit es geht kommen die Kinder auch mit ins Studio und können sich dort beschäftigen und spielen. Immerhin bin ich nicht die einzige innerhalb der Band die Familie hat.

Musicscan: Woher nimmst du dann all die Kraft dies durchzuhalten, auch für die Ehe mit deinem Mann? (Alexander Krull von Atrocity)

Liv Kristine: Die Kraft kriege ich durch meinen Ehemann, meine Familie und Freunde. Es ist Glück das wir uns alle auch gut verstehen und auch im Studio wie eine Familie sind und nicht "nur" Bandmitglieder. Auch schöpfe ich Kraft alleine dadurch, dass ich Singen darf. Ich sehe das Leben an sich als sehr wertvoll an, und auch wenn man sich in einer Ehe streitet ist das nur natürlich und gehört dazu, solange man sich wieder verträgt. Mir war vor allem wichtig, dass mein Partner meine Einstellung zur Musik teilt und weiß worauf er sich dann einlässt, also Dinge wie unregelmäßige Arbeitszeiten, Tourneen etc. Vor allem ist es wichtig sich gemeinsam weiter zu entwickeln.

Musicscan: Hast du auch noch Zeit für andere Aktivitäten?

Liv Kristine: Ja, ich jogge z.B. sehr gerne und bin sehr gerne draußen und übe auch Yoga. Da ich das Glück habe auf dem Land zu wohnen, fühle ich mich dort sehr wohl. Die Stadt gefällt mir nicht so sehr, bin halt ein Landei. Kommt wohl daher, dass ich in Norwegen geboren bin und das einfach mitbringe, diese Sehnsucht nach Natur.

Musicscan: Du bist ja doch recht bekannt, auch über die Metal-Szene hinaus. Wie kommst du damit zurecht?

Liv Kristine: Bisher eigentlich recht gut. Ich halte sehr gerne Kontakt zu Fans und habe bisher keine Probleme damit gehabt. Ich kann sagen, dass mich meine Fans doch auch sehr positiv unterstützen, besonders habe ich das gemerkt in den letzten Jahren, als die Trennung von Theatre Of Tragedy erfolgte und der Rechtsstreit mit Plattenfirmen anfing. Es gab Zeiten, da wollte ich alles hinschmeißen, aber jeder hat zu mir gehalten - erst Recht meine Fans. Wenn halt bei Konzerten manchmal ein paar Betrunkene kommen, schick ich auch manchmal dann die Jungs von der Band vor.

Musicscan: Das bringt mich auch schon zur letzten Frage. Stehen denn für diese Jahr schon Konzert-Termine fest?

Liv Kristine: Bisher noch nichts konkretes, eventuell ist etwas für März/April geplant, aber ob das dann mit Leaves Eyes oder Solo sein wird ist noch unklar. Auch ob ich dann nur im Vorprogramm einer anderen Band spiele, oder es eine kleine Clubtour wird.

Musicscan: Vielen Dank für das Interview, du warst sehr offen und ehrlich und alles Gute für diese Jahr!

Liv Kristine: Vielen Dank zurück !

 
 Links:
  http://www.livkristine.de
  http://www.roadrunnerrecords.de
 
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