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The Forsaken

Storie von: arne, am 26.12.2003 ]

"Traces Of The Past" (Century Media) heißt das dritte Album von The Forsaken aus Süd-Schweden und die fahren darauf einen knalligen Death Metal-Sound mit sehr moderner Note und kleineren Thrash-Anleihen (The Haunted lassen grüßen). Das Quintett setzt heute noch offener auf den Wechsel von hochtechnischen Tempo-Knüppel-Parts und Melodie-getragenen, langsameren Harmonie-Parts. Thematisch geht es um die Unfähigkeit der Menschheit aus der eigenen Geschichte zu lernen.

 
Apropos Geschichte, The Forsaken kamen für eine schwedische Band recht klassisch zusammen: „Wir leben in einer sehr kleinen Stadt und es gibt nur wenige Leute, die Metal spielen. Es war also unvermeidlich, dass wir uns treffen und zusammen spielen würden. Stefan und Niklas starteten und zu dieser Zeit hatte ich ein nicht so ernstes Projekt im gleichen Haus. Sehr schnell kamen wir dann zusammen. Wir hatten die gleichen Vorstellungen und sechs Jahre später sind wir nun mit unserer dritten Platte hier.“

Auch die eigene Motivation dem knalligen Death-Sound zu frönen, ist schnell in Worte gefasst: „Wir versuchen die intensivste Musik zu spielen, die uns möglich ist. Jede einzelne Sekunde zählt. An erster Stelle spielen wir das, was wir als gut empfinden. Das tut jeder Musiker und spielen einfach das, was sich für uns gut und richtig anhört.“

Dabei gibt es auch eine strenge Qualitätskontrolle, der sich jeder neue Track stellen muss: „Der erste Test für einen neuen Song ist immer, ob er der Band gefällt. Beim Schreiben diskutieren wir kaum. Wir spielen und ändern, bis es für uns toll klingt. Das passiert ohne große Worte, denn wir verstehen uns quasi blind. Auf dem ersten Album hatten wir für fast alle Songs fünf bis sechs Versionen, bis wir vollends zufrieden waren. Heute geht es zum Glück schneller.“

Dennoch stammen die meisten Song-Ideen aus einer Feder: „Der Hauptteil der Songs wurde diesmal von mir geschrieben. In der Vergangenheit waren es zur Hälfte Stefan und ich. Das bezieht sich natürlich auf die Riffs. Die Arrangements arbeiten wir dann zusammen aus und das ist ja der schwere Part.“ Eben, und auch wenn The Forsaken schon sehr professionell arbeiten, greifen sie dennoch nicht auf alle Möglichkeiten im Vorfeld der Plattenaufnahme zurück: „Es gab keine Pre-Produktion. Im Proberaum haben wir einen kleinen Rekorder, auf dem wir schon einige Songs mitgeschnitten haben, aber das ist noch keine Pre-Produktion. Wir wollten die Songs lediglich zu Hause möglichst oft hören, um sie so gut wie möglich zu machen.“

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Schweden von jeher mit dem gleichen Produzenten (Tommy aus dem Abyss) zusammen arbeiten: „Es war die beste Wahl. Wenn sich Produzent und Band schon gut kennen, ist das Arbeiten noch ernster und zielstrebiger. Wir kennen Tommy nach den vier Aufnahmen mit ihm sehr gut. Es fing mit unserem zweiten Demo an und seitdem waren wir immer bei ihm. Es ist wichtig, auf der gleichen Wellenlänge zu sein. Die Arbeit im Studio ist sehr intensiv und man muss sein Bestes geben, auch unter Druck. Gerade, wenn man schlecht drauf ist, braucht man jemanden, der einen antreibt und das Beste aus einem heraus holt. Tommy ist darin sehr gut.“

...und da kann es auch schon einmal passieren, dass sich die Band selbst im Studio zu ungeahnten Höhenflügen aufrafft: „Um ehrlich zu sein, ist das Album viel besser geworden, als ich es jemals für möglich gehalten hatte. Ich war mit einigen Songs nicht vollends zufrieden, aber die Deadline war da und wir mussten ins Studio. Es war sehr stressig und wir fürchteten anfangs, das Album würde nicht so gut wie die letzten beiden. Das hat sich im Studio schnell geändert, die Songs schienen zu wachsen. Im Studio klang auf einmal alles rund und gut. Wir hörten sie ja auch zum ersten Mal mit Vocals. Vorher hatten wir kein einziges Mal mit Vocals geprobt. Sie haben den Songs einen ganz neuen Touch verpasst.“ Nicht vielen Band gelingt das Kunststück aus unfertigen Songs im Studio dann doch mitreißende Hits zu erarbeiten, doch das hat hier Methode: „Das war auch schon bei den ersten beiden Alben so; wir hatten keine Gesangslinien fertig und alles entstand im Studio.“

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Lyrics eh nicht den gleichen Stellenwert besitzen: „Ich denke nicht, dass die Vocals ganz gleichberechtigt sind, doch sie sind uns schon wichtig. Durch die Vocals kann man weitere Gefühle erzeugen und die Musik verstärken. Sie sind als weiteres Instrument wichtig und sie erzählen die Story des Songs.“ Dennoch verbirgt sich hinter "Traces Of The Past" doch ein recht durchdachtes Konzept: „Der Albumtitel und die anderen Texte auch setzen sich mit der Unfähigkeit der Menschheit auseinander, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Zu vieles Schlechtes wiederholt sich und das kann eigentlich nicht sein. Wir weisen auf das hin, was uns auffällt und frustriert macht.


“

Doch die eigene Frustration wird noch deutlicher mit dem knalligen Death-Metal-Cocktail umgesetzt: „Wenn wir an Songs arbeiten, denken wir nicht viel darüber nach. Wichtig ist allein, dass das Material intensiv bleibt. Es gibt keine vorgegebene Richtung, auch wenn wir natürlich einen bestimmten Stil haben. Wir sind uns selbst gegenüber sehr kritisch eingestellt und wollen so kreativ und divers wie möglich klingen.“ Das schaffen sie auch und das Material wirkt noch dazu auch sehr homogen: „Natürlich, wenn wir einen Songs arrangieren, versuchen wir, alles mit möglichst rundem Fluss zusammen zu führen. Es soll ja nicht nach zusammengeschusterten Riffs klingen. Die einzelnen Song-Parts müssen harmonieren und zusammenpassen.“

Darüber hinaus gibt es bei The Forsaken auch einen gelungenen Mix aus Anspruch und simpleren, gut hörbaren Parts: „Wir sind technisch, aber es nicht so schwer uns zuzuhören. Es ist eher schwierig zu spielen, manchmal fast zu schwierig. Wir sollten lernen, einfachere Songs zu schreiben, denke ich manchmal, aber so sind wir halt. Wenn wir Material erstellen, sind immer Riffs dabei, die wir nicht beherrschen, aber bevor wir dann ins Studio gehen, üben wir wie verrückt, bis wir alles drauf haben. Nur so werden wir bessere Musiker und fordern uns richtig heraus. Sowohl Stefan kommt mit Riffs, die ich nicht spielen kann, als auch ich mit welchen zu ihm. Das ist dann kein Spaß mehr und man muss hart üben.“ Glücklicherweise haben die Schweden immer das eigene Live-Set im Hinterkopf: „Wir würden keinen Song schreiben, den wir nicht auch spielen könnten. Das ist wichtig. Man muss seine Songs schon spielen können. Alles andere macht ja keinen Sinn, auch wenn vieles live nicht ganz so perfekt wie im Studio klingt. Der Grad zwischen einer guten Live-Show und perfektem, sauberem Spiel ist oftmals nur sehr klein.“

Das stimmt und bei The Forsaken bleibt alles sehr bodenständig und nachvollziehbar. Dennoch sind die Schweden auch in einer stetigen Vorwärtsbewegung, was den eigenen Sound angeht: „Vor allem sind wir deutlich variabler geworden, das ist sehr deutlich. Wir haben versucht, gerade mit dem Tempo hörbar zu variieren. Es gibt nicht mehr, wie auf der ersten Platte, nur Tempo, Bass-Drums und Blast-Beats. Auf dem zweiten Album haben wir schon langsamere Parts mit eingebaut und diesmal sind sie überdeutlich und das Album im Ganzen ist deutlich variabler.“

Als i-Tüpfelchen gibt es dann am Ende von „Traces Of The Past“ noch ein Metallica- Cover, das sich perfekt in den Song-Fluss des Albums einreiht: „Metallica waren damals unglaublich, auch wenn der Song schon über zehn Jahre alt ist, kann man ihn auch heute noch unglaublich frisch klingen lassen. Wir haben lediglich die Drum-Beats und Vocals leicht geändert. Darüber hinaus unterscheidet sich der Songs nicht sehr von unserem alten Material. Wäre der Song nicht von Metallica, könnte er auch von uns stammen. Jetzt klingt er ein wenig aggressiver und genau das wollten wir machen.“

Im Studio war die Band übrigens ganze 23 Tage, was schon recht lang ist. Die harte Arbeit hat sich dennoch hörbar ausgezahlt. Die Entwicklung von den ersten Songideen bis hin zum fertigen Album brauchte auch seine Zeit, steigerte aber kontinuierlich die Arbeitsgeschwindigkeit: „Das ging sehr schleppend. Anfangs brauchen wir viel Zeit in die Gänge zu kommen. Haben wir ein neues Album veröffentlicht, brauchen wir zunächst eine Auszeit, um neue Inspiration zu finden. Das ist manchmal schon schwer. In den ersten zwei Monaten passiert dann nicht viel, maximal ein Songs. Wir spielen eher mit Riffs herum. In den drei Monaten vor dem Studio-Termin, sind wir gewöhnlich am produktivsten.“

In punkto einer möglichen Tour gibt es noch keine Infos: „Bisher ist nichts Konkretes geplant, aber Century Media arrangiert uns wohl eine Europa-Tour für den Februar. In der Vergangenheit waren wir nur selten außerhalb Schwedens. Da wir alle Jobs haben, ist es für uns schwer, auf Tour zu gehen. Die Band zahlt nicht unsere Rechnungen und es ist schwer an der Grenze von Spaß und Lebensunterhalt zu agieren. Man kann nur schwer einen ganzen Monat frei nehmen; schon gar nicht wir alle zusammen. Für dieses Album wollen wir es aber unbedingt versuchen. Touren ist ja gerade das, was am meisten Spaß macht. Deshalb ist man einen Band. Man will ja nicht nur im verschwitzten Probe-Raum und im Studio abhängen.“

 
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