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Tfr Music

Interview von: Matthias Rauch mit Andy Hurst, am: 04.12.2003 ]

Wenn man sich in der deutschen Indielandschaft etwas umschaut, wird man schnell auf einen Namen stoßen: tfr music. Haben sie doch einige der spannendsten und vielversprechendsten deutschen Bands unter Vertrag. Ich denke da vor allem an Waterdown, Mournful, Avery, Hillside oder auch Brand New Jersey. Anlässlich des anstehenden tfr music Showcases sprach ich mit Andy, einem der Köpfe hinter tfr music, über das wann, warum und wie.

 

Musicscan: Erzähl doch mal ein bisschen wie die ganze Sache mit tfr music ins Laufen gekommen ist?

Tfr Music: Nun, Lars und ich haben uns 1995 auf einem Konzert von Freunden in Karlsruhe kennen gelernt. Eine Freundschaft wie sie aus dem Bilderbuch stammen könnte. Wir verstanden uns von Anfang an prächtig, nur dass Lars eben in Berlin und ich in Stuttgart wohnte. Die anfängliche Freundschaft war über Briefe, richtig das gab´ es "damals" noch, Telefonate und Besuche nur sehr inkonstant aufrecht zu erhalten.
Da wir beide schon lange in Bands aktiv waren, jedoch noch darüber hinaus tätig werden wollten haben wir 1996 mit dem Label begonnen und als Erst-Release die "North Meets South"-Compilation (7") herausgebracht. Unsere eigenen und befreundeten Bands waren darauf auch vertreten. So kam das ganze ins Rollen und wie es sich für eine intakte Familie gehört, kamen und kommen immer wieder neue Leute hinzu, die uns bei der Arbeit unterstützen. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen um all unseren Freunden in der TFR Music Family ausdrücklich für jegliche Unterstützung zu danken.

Musicscan: Welcher Teil der Labelarbeit macht dir am meisten Spaß und warum?

Tfr Music: Eine sehr schwierige Frage. Prinzipiell bin ich Marketing´ler durch und durch, das gibt schon mal den groben Rahmen vor. Darüber hinaus arbeite ich sehr gerne mit den Bands zusammen und versuche uns alle in einem Familiengedanken zu sehen. Lars und ich teilen uns die Bands zur Bandbetreuung auf, um eine bessere Betreuung zu gewährleisten. All diejenigen, die für uns mitarbeiten, unterstützen das Ganze natürlich. So tragen sowohl Freunde von uns, aber auch Bandmitglieder einen großen Teil zum Label bei und lässt uns mehr als nur eine Plattenfirma sein. Ich hoffe, dass wir diesen, uns wichtigen Ansatz des Familiengedankens gut verwirklichen können.

Musicscan: Wie ist die Aufgabenverteilung innerhalb des Labels? Kümmert ihr euch um alles gemeinsam oder gibt es da doch getrennte Zuständigkeitsbereiche?

Tfr Music: Wie bereits erwähnt teilen wir uns die Bandbetreuung auf. Das schließt Verträge, den Ablaufplan bei Releases, Promoerstellung und -betreuung der jeweiligen Band etc. mit ein. Lars betreut hauptsächlich den Prozess zum Presswerk und zu Zomba. Ich bin verantwortlich für die Corporate Identity und das Corporate Design, versuche ein wenig strategisch zu arbeiten und den Familiengedanken mit allen Bands in der Zukunft noch mehr auszubauen. Einige Freunde von uns übernehmen dann weitere Teile der Arbeiten, wie beispielsweise Jan von Ransom, Peter von Hillside, Markus, Sven, Arne oder Mirco.

Musicscan: Gibt es so etwas wie eine Labelphilosophie oder einen Grundsatz, dem ihr stets treu geblieben seid?

Tfr Music: Da wir vom Gründungsgedanken her sehr idealistisch mit der Beziehung Label und Band umgehen, kann man alle Bands Freunde um TFR Music herum als eine große Familie bezeichnen. Darin liegt unsere Philosophie.

Musicscan: Wie kam es zum Vertriebsdeal mit Zomba und wie hat sich die Situation und die Arbeit des Labels seitdem verändert?

Tfr Music: Der Vertriebsdeal mit Zomba kam vor ca. 1 1/2 Jahren im Sommer `02 zustande. Es bestanden verschiedene Liebäugeleien hinsichtlich eines richtigen Vertriebsdeals, als Zomba dann auf uns zukam waren die Argumente jedoch relativ schnell abgewogen und wir sind seitdem sehr froh so gut mit Zomba zusammen zu arbeiten. Die Arbeit unseres Labels hat sich dahingehend verändert, dass Veröffentlichungen und alles damit im Zusammenhang stehende in ausgearbeiteten Zeitplänen erledigt werden müssen.

Musicscan: Was war bisher der Bestseller unter euren Releases?

Tfr Music: Das meistverkaufte Release sind die Waterdown "Draw a Smiling Face" - CDEP und die Ransom "Escape From Suburbia" - CD. Das zweite Avery Album "Lie, Cheat & Steal" sowie das jetzt angelaufene Debütalbum "Monochrome" von Mournful sind jedoch nur knapp dahinter. Mal sehen, wie sich das entwickelt, schließlich haben wir mit Brand New Jersey, Hillside, Filmmaker, By A Thread und Vanilla Sky (Januar `04) weitere heiße Eisen im Feuer.

Musicscan: Was sucht ihr in einer Band? Was muss eine Band haben, um bei tfr music unterzukommen?

Tfr Music: Der erste Anspruch geht an die musikalische Qualität. Darüber hinaus ist der absolute Wille zu Touren und zu spielen Bedingung. Herausragend bei einer Band muss jedoch das für die Band Einzigartige sein, ob es der Gesang, der Sound, der Stil oder anderes ist. So könnte ich dir für jede unserer Bands einen herausragenden, sie von anderen Bands unterscheidenden Punkt nennen. Für tfr music muss eine Band qualitativ hochwertig und innovativ sein, womit die Sicht der Hörer auf die tfr music Bands eindeutig geprägt sein soll. Der Käufer einer Platte kann bei tfr music deshalb blind zugreifen, weil er weiß, dass er sich damit eine auf seine Art individuelle und herausragende Veröffentlichung aus dem Independent / Alternative-Bereich erworben hat. Wir legen uns jedoch bewusst auf keine spezielle Stilrichtung fest, um den Innovationsgrad der Bands potentiell hochhalten zu können. Jeder weiß, wie vital die Musik ist und der Hype von heute, morgen schon total out sein kann. Um exakt dies zu vermeiden setzen wir auf Bands die Innovation und Basics der Musik ansprechen, egal ob die Wurzeln bei den Rolling Stones, AC/DC oder den Ramones liegen.

Musicscan: Was hat es eigentlich mit der Namensänderung auf sich? Was erhofft ihr euch davon?

Tfr Music: Die Namensänderung entstand ebenfalls aus dem Aspekt, dass wir mit einem richtigen, professionellen Vertriebsdeal eine ebensolche Marke benötigen. Auch wenn uns bewusst war, dass die Kommunikation des Re-Naming schwer sein würde, so war es uns doch ein sehr wichtiger Punkt. Verbunden ist damit die Chance und Hoffnung die Attribute "innovativ", "qualitativ" und "individuell" mehr betonen zu können. Der zuvor verwandte, alte Name ließ uns vor dem Hintergrund dieses Ziel-Brandings nur wenig Spielraum, zumal der vorige Name bereits mit völlig eigenständigen, traditionelleren Werten verbunden war. Wir wollten einen Schritt nach vorne gehen und haben ihn auch getan.

Musicscan: Rechnet sich das Label für euch mittlerweile bzw. könnt ihr auch schon mal etwas für euch abzweigen oder geht das immer wieder direkt ins Label und die anstehenden Releases?

Tfr Music: Einnahmen gehen direkt wieder in neue Releases, somit rechnet sich das Label zwar, jedoch nicht auf einem Level auf dem wir davon leben können. Das Ziel ist es natürlich, wir werden allerdings sehen wie sich die Dinge diesbezüglich in Zukunft entwickeln.

Musicscan: Mit welcher Band würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten?

Tfr Music: Wo hast Du denn die Frage nun aus dem Hut gezaubert? Schwierig, uns ist wichtig mit einer Band zusammen zu arbeiten, die zu uns passt. Aber wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, dann wäre eine Platte mit Dave Grohl als Solokünstler ein Traum. Der müsste wohl nur erst Solokünstler werden und dann auch noch auf uns kommen...

Musicscan: Ist euch ein persönliches Verhältnis zu den Bands wichtig oder steht allein die Musik im Vordergrund?

Tfr Music: Auf jeden Fall ist uns ein persönliches Verhältnis zu den Bands wichtig. Der Familiengedanke ist ein absoluter Kerngedanke unseres Labels. Wie aus den vorigen Antworten auch schon hervor geht, sehen wir tfr music und die Bands als Ganzes. Das Eine würde ohne das Andere nicht funktionieren. Die Musik ist der kontextuelle Rahmen in dem wir uns bewegen, durch die man den Kontakt geknüpft hat und durch die wir leben. Das eint uns alle bei tfr music.

Musicscan: Wie sehen die Zukunftspläne aus? Releases, neue Signings, Hoffnungen, Pläne...

Tfr Music: In Zukunft sehen wir ganz positiv. Mit unseren Veröffentlichungen im Jahr 2003 sind wir hochzufrieden. Als Ausblick fiebern wir auf unsere tfr music night - Reihe hin, deren Konzept es ist mehrere Bands von tfr music zu präsentieren und um einige DJ´s zu erweitern. Es ist schrecklich schade, wenn das Publikum nach den normalen Konzerten immer nach Hause geht und sich fragt, was man nun mit dem angebrochenen Abend anstellt. Deswegen erweitern wir das Ereignis auf die ganze Nacht im gleichen Club. Rundherum gibt es viel von und mit unseren Bands, einige Specials und natürlich reichlich zu feiern. Die Night - Reihe werden wir ausgehend von Berlin (12.12.2003 im Magnet Club mit Hillside, Brand New Jersey, Avery, Mournful & Ransom + DJ elPogo, DJ Rausch & DJ Fiete) und Stuttgart auf einige Städte ausbauen. Im Januar gibt es mit den italienischen Vanilla Sky eine Pop-Punk Band, die sich gewaschen hat. Auf deren ausgiebiger Tour im Januar und Februar werden sich viele Leute die Augen reiben. Soviel kann ich jetzt schon mal verraten.
Wir hoffen, dass sich tfr music so entwickelt, wie Lars und ich es uns vorstellen, am Ende gilt nur eines: "In the end it's only rock'n'roll."
Music-Scan und Dir, Matthias, vielen Dank für die Möglichkeit des Interviews. Es hat mich gefreut, und ich hoffe den ein oder anderen Leser bei einer tfr music Band zu sehen.

 
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