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Locust, The

Storie von: arne, am 26.11.2003 ]

Für die rege San Diego- Szene sind The Locust nach wie vor ein Aushängeschild; zählen sie doch zu den bekanntesten Kombos ihrer Area. Mit “Plague Soundscapes” ist unlängst ein neuer Longplayer der ex-Swing Kids, Struggle- & Crimson Curse- Leute auf Anti/Epitaph erschienen und endlich scheint das abgedrehte Quartett breitere Aufmerksamkeit zu erlangen.

 
Nur wenige Bands verbreiten in ähnlicher Art und Weise ein solches Maß an Unruhe, Chaos und Panik. The Locust sind Sickos vor dem Herrn und dafür sind sie zurecht berühmt-berüchtigt. Ihre Mischung obskurer Keyboard(Stör)Geräusche und heftigster Grind-/Power-Violence-Parts ballert ohne Ende und allein deren Länge/Kürze ist zu bemängeln. “Plague Soundscapes” ist nach knappen 21 Minuten durch und ein Live-Set der Band dauert auch kaum länger. Vielleicht ist’s auch besser so, denn sonst dreht man wohl ähnlich frei und läuft in komischen Kostümen auf die Strasse und schreit wie am Spieß. Zum Abreagieren sind die Releases der Jungs jedenfalls erste Sahne.

Auf Anti sind The Locust mit Sicherheit die abgefahrenste und kompromissloseste Band. Trotz größerem Verlag hat sich am wüsten Programm des Vierers nichts geändert. Die Sell-Out-Vorwürfe könnt ihr gleich wieder einpacken, denn die Grindheads sind abgedreht, verfrickelt, verbreakt und zerfahren wie eh und je. Einmal mehr gehen sie mit ihren 23 Sound-Kollagen an den Grad einer musikalischen Apokalypse. Mehr geht einfach nicht und The Locust spielen einfach gehörig lauten wie genialen Krach. Vor ihrem Gig im Berliner Bastard sprach ich kurz mit Trommler Gabriel und Gitarrist/Sänger Bobby, die beide ein wenig verpeilt wirkten, aber sehr sympathisch waren. Viele Underground-Kids in den Staaten störten sich am Label-Wechsel der Band; die blieb stets gelassen:

„Die Leute werfen fast jeder Band, die sich vorwärts entwickelt, irgend etwas vor, so auch uns. Das stört eigentlich nicht. Es ist aber schon witzig, dass sie uns das Signing auf Anti/Epitaph vorwerfen. Die Leute haben Vorurteile und denken vielleicht es gehöre zu Sony oder so und sei eine große Firma. In Wahrheit ist es aber immer noch ein unabhängiges Label. Für mich hieße Sell-Out, wenn man sich selbst für Geld verstellt. Das tun wir nicht und das hat eigentlich auch nichts mit der Größe des Labels zu tun. Wir haben jedenfalls keinen Song für die neue Coca Cola Werbung geschrieben oder Ähnliches. Als Band muss man einfach irgendwann auf einen größeren Verlag wechseln, denn man will ja vorankommen. Um sich stetig weiter zu entwickeln, braucht man den nötigen Rückhalt.“

Die Reaktionen im Grind/HC/Screamo waren aber z.T. schon überzogen: „Vielen Leuten scheint wichtig, über alles und jeden Kontrolle haben zu wollen. Man sollte dabei aufpassen, wer die wirklichen Feinde sind. Wir sind es jedenfalls nicht, auch wenn wir uns kurzzeitig so vorkamen. Natürlich sind wir für die HC-Szene inzwischen schon recht groß, aber wir spielen noch immer den gleichen Stil, haben ähnliche Texte und spielen in den gleichen Clubs. Außer einem etwas größeren Label hat sich nichts geändert.“

Eben, und der SciFi-Grind von The Locust pumpt noch immer gehörig. So wurden die Zweifler nach dem Release der Platte auch ruhiger: „Zu Beginn hatte ich eigentlich größere Anfeindungen erwartet. Nachdem das Album dann erschienen ist, wurde es zwar stiller, aber nicht unbedingt ruhig. Die meisten Leute, mit denen wir


bislang auf Tour gesprochen haben, kannten uns zuvor gar nicht. Sie haben von Freunden von uns gehört, ein Review der neuen Platte in einem Magazin gelesen oder gar eine Anzeige gesehen. Für uns ist es toll, jetzt gänzlich neue Leute zu erreichen. Ohne Anti wäre uns das nicht möglich.“

Vielleicht hat die neue Platte etwas weniger Grind-Parts, aber der Unruhe-/Panik-Faktor ist auf gleichem Niveau. Insgesamt wirkt das Soundbild einen Tick homogener, wenn man so etwas überhaupt sagen kann; in kleinem Rahmen gibt es gezähmtes Chaos. Anti scheint für die Band dabei das perfekte Label zu sein: „Die total verschiedenen Künstler im Programm haben uns von Beginn an überzeugt. Genau danach hatten wir gesucht. Wir wollten nicht auf ein Label gehen, mit dessen anderen Bands wir uns nicht identifizieren können. Ein Label mit diversem Programm und verschiedensten Stilen macht einfach mehr Sinn. Es gibt auf Anti keine zwei Bands, die gleich klingen. Wir sind stolz, heute dazu zu gehören. Ich meine, da ist Tom Waits, Tricky und wir, The Locust, gleich daneben. Das ist eigentlich unvorstellbar und doch passt es irgendwie.“

Das Presse-Feedback ist dennoch anders als erwartet ausgefallen: „Ich hatte eigentlich auf viel konstruktive Kritik gehofft und mich darauf eingestellt, zu hören, wie schlimm unserer Sound doch sei. Die Resonanz bislang war aber durchweg positiv. Auch größere Magazine scheinen uns zu mögen. Das ist schon toll Wir erwarten zunächst nichts und sind für alles, was passiert, dankbar.“

Das eigene Treiben der Band ist schnell erklärt. „Wir leben unsere Kreativität aus und fordern uns selbst heraus. Darum geht es. Es muss erfüllen und wenn andere das auch noch mögen, ist das toll. Wir würden nichts anderes machen, auch wenn uns niemand mögen würde. Natürlich ist das Touren komfortabler, wenn man etabliert ist.“

Dennoch sind The Locust auch heute noch klar Szene-orientiert. „Wir versuchen nach wie vor alles so klein wie möglich zu halten und der direkte Kontakt zu unseren Fans ist uns nach wie vor das Wichtigste überhaupt.“ Auf der letzten Rundreise hatte sich trotzdem eine Menge verändert: „Auf dieser Tour scheinen mehr Leute auf die Shows zu kommen, die sich einfach nur die Musik hören wollen. Das ist toll. Es kommen auch weniger dumme Zwischenrufe. Wir lassen uns eh nicht aus dem Konzept bringen, aber das fällt schon auf.“

Abschließend interessierte mich noch, wie die Band auf die Idee zum 4er Puzzle-Set gekommen war. „Zunächst kam die Idee auf unsere Split-Songs und 7 Inches als limitierte Edition heraus zu bringen. Wir haben dann lange überlegt und wollten etwas Verrücktes auf dem Markt bringen. Irgendwer kam dann mit dieser Puzzle-Idee. Leider ist es nicht die neue Platte, aber auch so ist es toll. Wir haben kürzlich dafür irgendeinen Award gewonnen. Natürlich ist das Set recht teuer und das gefällt uns auch nicht so sehr. Doch schon die Herstellung ist nicht billig und man muss es ja auch nicht kaufen. Das Set ist eher für die Sammel-Freaks gedacht und auch gut angekommen.“

 
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