Go There
INFOS > Interviews-Stories > Details
/ 1 2 3 6 A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W X Y Z [
Interviews/Stories gesamt: 1828

Love And Death

Storie von: arne, am 02.05.2021 ]

Die Band um KoRn-Gitarrist Brian „Head“ Welch hat ihren Heavy-Sound zwischen Metal und Rock nicht nur perfekt konserviert, sondern sogar beachtlich erweitert. „Perfectly Preserved“ steht für ein Album der Gegensätze, wie es schon der Name LOVE AND DEATH vorgibt. Das gebotene Spektrum an Musik und Texten reicht von rabiat und barsch bis hin zu gefühlvoll und poppig. Bezüglich Umgang und Wirkung des Zweitwerks der US-Kombo kommt dem Titel des enthaltenen Justin Bieber-Covers eine besondere Bedeutung zu: ,Let Me Love You‘.

 
Da seit der Veröffentlichung des 2013er Debüts „Between Here & Lost“ acht Jahre vergangen sind, freut sich Band-Kopf und Sänger Brian „Head“ Welch, wieder zurück und nicht in Vergessenheit geraten zu sein: „Es läuft vielversprechend an. Viele Leute zeigen Interesse, was vielleicht auch am Umfeld der Pandemie liegt. Nicht viele Künstler haben zuletzt neue Musik herausgebraucht. Es finden zwar viele Live-Streaming-Events statt, doch 2020 gab es insgesamt nicht so viel Neues. In 2021 scheint sich das nun zu ändern. Dass unsere neue Platte interessierte Reaktionen hervorruft, liegt in meinen Augen daran, dass sie schlicht viel besser als unser erstes Album ausgefallen ist. Leute, die sie hören, bemerken sofort, dass es eine enorme Weiterentwicklung gegeben hat. Das freut mich natürlich, denn ich sehe es genauso.“ In der aktuellen Krisensituation kommt das neue Material von LOVE AND DEATH in den Augen von Brian gerade rechtzeitig: „Ich bin davon überzeugt, dass unsere Musik gerade jetzt gebraucht wird“, zeigt er sich überzeugt. „Da draußen gibt es gegenwärtig viel Unsicherheit, Sorge und Angst. Unsere Musik transportiert hingegen eine positive Grundstimmung und weist einen optimistischen Ausblick auf. Das hilft den Leuten hoffentlich. Diese Songs zu schreiben, hat uns Spaß gemacht und sich erfüllend angefühlt. Und außerdem: was sollte ich denn sonst machen? Die derzeit bestehenden Einschränkungen ermöglichen es doch gerade erst, neue Musik zu schreiben, herauszubringen und mit Leuten wie dir zu sprechen. Das ist das, was ich dieser Tage tue. Ich möchte meine Zeit produktiv nutzen und nicht einfach nur herumsitzen und nichts tun. Ich freue mich, dass unsere Musik ihren Weg in die Öffentlichkeit findet und auf das Feedback der Hörer.“ Der Gitarrist und Sänger hat sich mit der Situation arrangiert: „Für mich läuft es gut“, bestätigt Brian. „Ich genieße diese Phase meines Lebens und bin mit mir im Reinen. Was auch immer passiert oder welche verrückten Dinge mir begegnen, ich stelle mich den Herausforderungen und flippe nicht aus. Stattdessen schaue ich, wie ich all dem begegnen kann und was zu tun ist. Manchmal ist es natürlich hart. Gerade zu Beginn der Pandemie war ich leicht depressiv. Niemand wusste, was da auf uns zukommt und wie die Zukunft aussehen wird. Doch ich habe gelernt, Vertrauen zu haben. So funktioniert das Leben nun einmal. Alles findet sich. Andere haben es weitaus schwerer als ich. Es ist eine viel größere Herausforderung, wenn man zu Hause Kinder betreut und gleichzeitig parallel arbeiten muss. All den Leuten, die das bewältigen, gilt mein Applaus. Meine Lage ist ungleich komfortabler. Meine Tochter ist inzwischen 22 Jahre alt. Ich kann mich aber noch erinnern, wie es gewesen ist, als sie jünger war.“

Brian „Head“ Welch ist einst bei KoRn ausgestiegen, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Das Herunterfahren von hundert auf null Prozent ist ihm daher nicht unbekannt und fällt ihm deshalb leichter als anderen: „Das ist ein interessanter Gedanke“, überlegt der Musiker. „Nachdem ich KoRn verlassen habe, zog ich mich in meine eigene private Welt zurück. Plötzlich war ich jeden Tag zu Hause und konnte all die Dinge tun, die das Alltagsleben in einer Familie ausmachen. Zwar habe ich in einem Studio an meinem Solo-Material gearbeitet, doch ich war zu Hause und nicht auf Tour. Das habe ich sehr genossen. Meine Tochter kam damals gerade in die Schule. Rückblickend ist es die richtige Entscheidung gewesen, mich vom Touren zurück zu ziehen und auf meine Familie zu konzentrieren. In dieser Zeit hat sich eine sehr enge Verbindung zwischen meiner Tochter und mir entwickelt, die es vorher so nicht gegeben hat. Deshalb schätze ich nun auch die Zeit der Pandemie, weil sie Freiraum dafür schafft, zu reflektieren und in Ruhe an neuer Musik zu arbeiten. Es ist für mich nicht nur belastend, auch wenn es für die Welt und die Menschen insgesamt eine schlimme Erfahrung ist. Viele erleben eine wirtschaftlich harte Zeit. Die Regierung versucht, zu helfen, kann die Folgen aber nur lindern. Ich bin froh, dass alles bislang weitgehend friedlich geblieben ist, aber es ist eine enorme Belastungsprobe für uns alle. Ich wünsche uns allen die nötige Kraft, das weiterhin durchzustehen.“ Anders als 2005 nach dem Ausstieg bei KoRn ist der Kalifornier wiederum in einem Band-Gefüge und nicht im Alleingang aktiv. Den Schritt hin zur Gründung von LOVE AND DEATH ist Brian einst bewusst gegangen: „Ich hatte das Gefühl, dass meine Solo-Phase beendet war. In meinen Songs habe ich über sehr persönliche Dinge gesprochen, die mir wichtig waren. Zu dem damaligen Zeitpunkt hatte ich all das ausgedrückt, was ich sagen wollte, und den Wunsch verspürt, wieder mit anderen Musikern zusammen zu arbeiten. Ich wollte wieder Teil einer Band sein, und damals gab es dann nur LOVE AND DEATH. Seit meiner Rückkehr zu KoRn sind sie heute wieder meine Hauptband. Das sind meine Brüder. Diese Band ist meine große Liebe. Dennoch möchte ich von Zeit zu Zeit auch als Sänger aktiv sein. Die Möglichkeit dazu bietet mir LOVE AND DEATH, dass mein anderes kreatives Outlet ist. Die anderen Mitglieder von KoRn haben ja auch ihre Nebenprojekte.“

Sich nach längerer Abstinenz wieder intensiv um die Wiederbelebung und Entwicklung von LOVE AND DEATH zu kümmern, war allerdings kein Selbstläufer: „Anfangs war es hart“, erzählt Brian. „In den letzten fünf Jahren haben wir immer wieder einmal einzelne Songs geschrieben, aber etliche von ihnen auch schnell wieder verworfen, weil sie nicht gut waren. Erst, als


ich mit Keith Wallen und Jasen Rauch von Breaking Benjamin sowie Tom Hane von In This Moment zusammengekommen bin, hat es besser funktioniert und an Fahrt gewonnen. Ich mag es sehr, wenn Leute mit einem unterschiedlichen Hintergrund ihre Ideen zusammenwerfen. Es gibt so viele talentierte Musiker. Auch heute noch lerne ich mit jedem Song dazu, obwohl ich schon so lange in diesem Geschäft unterwegs bin. Ich kann es kaum glauben, was für tolle Songs sich diese Typen ausgedacht haben. Sie haben mich umgehauen.“ Welche Ausgestaltung „Perfectly Preserved“ nehmen würde, hat sich quasi von selbst ergeben: „Für uns stand es vor allem im Vordergrund, starke, erinnerbare Refrains und aufregende Melodien zu erschaffen“, fasst der Musiker die kreative Stoßrichtung in Worte. „Ich mag Bands wie A Day To Remember, die teilweise sehr hart aufspielen, aber auch poppige Passagen integrieren. Ich bin als Teil der MTV-Generation aufgewachsen – mit Sachen wie Duran Duran, aber auch mit Mötley Crüe und Van Halen. All das hat mich geprägt. Deshalb sind mir poppige Hooks nicht fremd, sondern gehören für mich mit dazu. Ich weiß, wie wichtig tolle Melodien sind. Am Ende des Tages zählt allein, wie gut das Songwriting ist. Die Leute wollen schließlich mitsingen und unterhalten werden. Wir sind eingefleischte Musik-Fans und haben primär das geschrieben, was wir selbst gerne hören möchten. Dabei waren wir von den unterschiedlichsten Genres und Künstlern inspiriert, einer breiten Mischung zwischen heavy und soft. Am Ende ging es allein um die Güte der Hooks. Nicht jeder in der Heavy-Community wird es so sehen, aber für uns zählt vor allem das. Schau dir Bands wie die Deftones oder Bring Me The Horizon an. Sie haben in ihren Songs so tolle Melodien.“ Mit der Entscheidung, das Justin Bieber-Cover ,Let Me Love You‘ mit auf die Platte zu nehmen, hat Brian nicht gezögert: „Das hat nur eine Sekunde gedauert“, gibt es zu. „J.R. Bareis, der bei LOVE AND DEATH Gitarre spielt und auch singt, hat mir eine Demo-Version des Songs mit der Bitte geschickt, mich über seinen Vorschlag nicht lustig zu machen. Ich habe sofort zugestimmt, denn auch als Heavy-Track funktioniert es wunderbar. Und ich hatte direkt Lacey Sturm vor Augen, die bei diesem Song mitgewirkt hat. Das Cover mit ihr fällt so herrlich emotional aus, ohne dass es cheesy klingt.“

Sich allein auf starke Einzel-Tracks zu fokussieren, kommt für Brian „Head“ Welch und LOVE AND DEATH aber nicht in Frage: „Ich liebe den Prozess der Erstellung eines Albums und durchlaufe ihn gerne“, so der Gitarrist und Sänger. „Im Rock-Genre scheinen mir Alben auch weiterhin gut zu funktionieren. Ein Projekt mit vielen Songs auszurollen, ist aufregend. Persönlich habe ich auch nach wie vor Spaß daran, mich mit der Auswahl eines passenden Artworks zu beschäftigen. Es gibt ja auch zum Glück noch viele Leute, die CDs und Vinyl kaufen. Der Manager von LOVE AND DEATH besitzt einen Plattenladen und verkauft nach wie vor viele Titel. Zunächst stand im Raum, lediglich eine EP mit fünf Songs herauszubringen, doch damit wollte ich mich nicht zufriedengeben. Damit wären wir nur vier Stücke von einem Album entfernt gewesen. Also habe ich die anderen überzeugt, nachzulegen und es anzugehen.“ Das Ergebnis der Kreativarbeit bestätigt Brians Sichtweise und Intervention: „Ich sage immer, dass für mich seit 2016 alles gut ist“, äußert er lachend. „Seit dieser Zeit bin ich jedenfalls mit jeder KoRn-Platte, die wir gemacht haben, zufrieden gewesen. Ich kann nicht einmal sagen, ob mir das Songwriting heute leichter fällt. Es fühlt sich zumindest besser und erfüllender an. Bei LOVE AND DEATH verhält es sich genauso. Nach der langen Durststrecke musste das neue Album ja auch gut werden.“ In der Tat, das Wettbewerbsumfeld für „Perfectly Preserved“ ist heute ein anderes als das für „Between Here & Lost“ im Jahr 2013: „Ich liebe die vielen jungen Kids, die mit verrückten Ideen und Sounds auf der Bildfläche erscheinen“, erwidert der Kalifornier. „Meine Tochter und ich teilen uns eine Playlist und hören häufig Sachen wie Bring Me The Horizon, I Prevail oder A Day To Remember. Es ist fantastisch, welche Entwicklung Rock und Metal in den letzten Jahren genommen habe. Ich warte schon auf die nächste Band, die so wie Bring Me The Horizon oder Five Finger Death Punch durch die Decke geht. Diese beiden sind aktuell richtig groß, aber es ist an der Zeit für die nächste Welle. Auf den großen Festivals sieht man leider, dass der Rock auf dem absteigenden Ast ist. Deshalb hoffe ich so sehr auf neue Bands, die das wieder geraderücken.“ Mit Blick auf seine Gruppe formuliert Brian „Head“ Welch abschließend folgenden Anspruch und gewissermaßen auch einen Leitfaden für Hörer: „Wenn man sich die Bedeutung der Worte LOVE AND DEATH vor Augen führt und das in Verbindung zu unserer Musik setzt, sieht man den Dualismus aus Heaviness und Dunkelheit auf der einen und Schönheit und Anmut auf der anderen Seite. Das ist es, worum es mir geht. Es würde mir aber nicht so viel bedeuten, wenn der lyrische Gehalt nicht ebenfalls dazu passen würde. Ich setze mich mit ernsthaften Themen und Fragestellungen des Lebens auseinander. Die Texte für LOVE AND DEATH stammen aus den tiefsten Tiefen meines Herzens. Vieles dreht sich um die Prüfungen, die wir bestehen, und die Schmerzen, die wir durchstehen müssen, um es anschließend besser zu haben und unseren Platz als Mensch in dieser Welt zu finden. Erst die Kombination aus Aussage und Musik zeichnet für mich das aus, was LOVE AND DEATH darstellen.“

 
 Links:
  loveanddeathmusic.com
 
oben