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Tluf

Storie von: arne, am 18.06.2019 ]

Die NRW-Kombo nimmt auf ihrem Zweitwerk eine desillusionierte, kritische Position zur heutigen Zeit ein. TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN (TLUF) arbeiten das Leben eines Protagonisten in der selbst empfundenen „Zwischenwelt“ konzeptionell auf und unterlegen die wenig erbauliche Bestandsaufnahme mit ernüchtert klingenden Sounds zwischen Modern- und New York-Hardcore.

 
„Zwischenwelt“ ist düsterer geworden, als der Vorgänger „Machtwort“. Das hängt zum einen am inhaltlichen Konzept. Hier geht es nämlich darum, dass sich der Protagonist in der heutigen Gesellschaft isoliert fühlt und überwältigt ist von den Auswirkungen der Globalisierung und Technisierung. Er sieht sich mit vielen Missständen konfrontiert und durchlebt im Laufe des Albums ein Wechselbad der Gefühle zwischen Wut, Hilflosigkeit, Mut und Positivität. Zum anderen haben wir den Inhalt auf den Sound entsprechend angepasst. Insgesamt deckt sich der Output auf jeden Fall zu einhundert Prozent mit unseren Zielen als Band. Wir möchten aufmerksam machen, zum Nachdenken anregen, zum Weiterdenken und zum Hinterfragen. Gleichzeitig ist TLUF auch immer mit dem Gedanken verbunden, dass wir gemeinsam die Dinge verändern können, wenn wir nicht in einer Starre verbleiben. Das drücken wir auf „Zwischenwelt“ ebenso aus.“ Hier spielt auch das Selbstverständnis der Band mit hinein, das sich für die Musiker schon vom Namen ableitet: „Es geht darum, dass wir nicht alleine sind und uns auch nicht alleine fühlen. Wir sind imstande, die Dinge um uns herum zu gestalten und zu verändern. Insbesondere, wenn wir mit gleichen Idealen und Wertvorstellungen zusammenhalten. Es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen sich Einzelne am Rande der Gesellschaft stehen sehen. Oder das Gefühl haben, dass sie mit ihren Aktionen keine Reaktionen in Bewegung setzten. Das ist aber nicht so. Nur, weil wir viele Auswirkungen nicht direkt spürbar messen oder sehen können, bedeutet das nicht, dass sie nicht stattfinden. Jedes Lächeln, das ich einem anderen Menschen schenke, hat eine Auswirkung. Je mehr positive Energie wir zusammen gebündelt bekommen, umso größer werden die Auswirkungen sein.“

Der NRW-Kombo geht es also darum, Veränderungen zum Besseren anzuregen. Das gilt auch und gerade für das Gruppen-Gefüge und die Zusammenarbeit miteinander: „Wir haben alle viel aus unseren früheren Bands gelernt. Diese Erfahrungen bringt jeder Einzelne mit in TLUF ein – sei es auf persönlicher Ebene oder auf arbeitstechnischer. Eine Band hat viele Facetten und Teilbereiche und es muss auf sehr vielen Ebenen funktionieren und harmonieren. Wir haben da sehr viel Glück, da wir alle kompromissbereit sind und gut zusammen Entscheidungen treffen können. Diese innere Ruhe des inneren Kreises strahlt im besten Fall nach außen und reflektiert somit auch das positive Zusammensein, das wir im engeren Musikerkreis pflegen. Beurteilen können das natürlich eher Menschen, die von außen auf unser Konstrukt Band schauen, als ich, der


selbst involviert ist. Die Rückmeldungen, die wir bisher bekommen, stimmen aber mit dieser Einschätzung überein. Wenn wir das nach außen so transportiert bekommen, würde ich mich schon sehr darüber freuen und es als Errungenschaft ansehen, denn es ist im Kern genau das, worum es bei TLUF geht.“

Entsprechend trifft das mit dem Zweitwerk umgesetzte Konzept nicht unvorbereitet. Es ist ein Spiegel seiner Entstehungszeit: „Der Titel „Zwischenwelt“ bezieht sich auf den Status, in dem sich die Menschheit in der heutigen Zeit befindet: zwischen analog und digital, zwischen einer offenen Welt ohne Grenzen und neuen Grenzen in den Köpfen, zwischen Wahlmöglichkeiten und sozialer Selektion. Die Globalisierung hat uns die ganze Welt nah gebracht, was uns alle jedoch auch in eine Überforderung treibt. Zu viele Informationen, zu viele Möglichkeiten, zu viele Meinungen. Unser Ansatz, der sich aus dem Konzept auch für den Protagonisten von „Zwischenwelt“ im Verlauf des Albums ergibt, sieht vor, sich auf die Werte zu besinnen, die im eigenen Leben tragend sind. Die Fragen, die sich dann stellen sind: Wie möchte ich mein Leben leben? Welche Normen sollen die Grundlage meines Handels sein? Welche Werte sind für mich entscheidend? Welche Grenzen ziehe ich für mich, um meine Lebenswelt für mich gestaltbar zu halten?“

Wichtig ist es, nicht zu resignieren, sondern der Zukunft mit Optimismus zu begegnen: „Das Positive ziehen wir aus den Möglichkeiten, die sich durch soziale Interaktionen ergeben. Beziehungen zu anderen Menschen, sei es die Familie, Freunde, Nachbarn oder einfach die zufällige Begegnung miteinander. Kommunikation ist der Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung der Probleme, vor denen wir als Gesellschaft stehen. Demographischer Wandel, Umweltproblematiken, Werteverfall, politische extreme Ansichten: diesen Herausforderungen können wir uns stellen, wenn wir wissen, wer wir sind, wofür wir stehen und wie wir unsere Haltung kommunizieren.“ Musikalisch wird das auf dem Zweitwerk abwechslungsreich und eigenständig flankiert:

„Wir haben uns beim neuen Album insgesamt auf ein breiteres musikalisches Spektrum erweitert. Uns war wichtig, mehr von den Einflüssen, die wir alle insgesamt als Musiker mitbringen, in die Songs einfließen zu lassen. Es gibt kein besonderes Schema, nach dem wir vorgehen, aber wir achten insgesamt darauf, dass wir von allem etwas in den Songs unterbringen, was wir musikalisch auch selber gut finden. Dabei ist die Gradwanderung jedoch immer mit darauf zu achten, dass es im Rahmen dessen bleibt, was uns als TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN definiert.“

 
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