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The Ocean

Storie von: arne, am 03.11.2013 ]

Die Veröffentlichungsreihenfolge ist nicht chronologisch, jedoch nachvollziehbar. Im Frühjahr legten THE OCEAN ihren neuen Post-Metal-Meilenstein „Pelagial“ vor, mit dem sich die Gruppe abermals neue Hörerkreise erschließen und ihren Aktionsradius erweitern konnte. Nun erscheint mit dem DVD-Boxset „Collective Oblivion“ eine Rückschau auf die erste Dekade der vorwärts denkenden Heavy-Visionäre.

 
Ursprünglich war lediglich der Mitschnitt der „Heliocentric“-Release-Show vor drei Jahren geplant, doch bald schon hat das Projekt eine ungeahnte Eigendynamik angenommen, wie Band-Kopf Robin Staps erzählt: „Alles hat sich aus einem absurden Unterfangen heraus entwickelt. Zunächst ging es wirklich nur um die Show im „Bikini Test“ in La Chaux De Fonds in der Schweiz. Die Songs der Platte haben wir da zum ersten Mal überhaupt live gespielt, und das haben wir direkt aufgenommen. Hätten wir eine Show am Ende des Tour-Zyklus gewählt, wäre es wohl besser gewesen. Aber nein, wir mussten gleich den ersten Abend filmen, ohne dass wir die Chance hatten, ausgiebig zu proben und uns mit den klassischen Musikern, einem Streich-Quartett und einigen Bläsern, einzuspielen. Weil sich die Möglichkeit ergeben hat, haben wir sie wahrgenommen. Alles, was später daraus geworden ist, also der zehnfache Umfang, war nicht geplant. Es wurde einfach immer mehr. Alex Kraudelt kam nach der Show einige Tage lang mit uns auf Tour und dabei entstand die Idee, dass er uns über einen längeren Zeitraum hinweg begleitet. So hat eins das andere ergeben.“

Dass der gemeinsame Start holprig verlief, scheint der entscheidende Katalysator gewesen zu sein: „Bei der Release Show hatten wir einige Probleme. Das fing schon damit an, dass man klassische Instrumentalisten eigentlich nicht einfach so neben eine Metal-Band setzen kann. Das geht bei Metallica, die extra Plexiglas-Wände aufbauen, doch solche gab es bei uns nicht. Dennoch ist das Resultat sehr gut ausgefallen und schön rau“, zeigt sich Robin erfreut. „Magnus von Cult Of Luna hat das super gemischt, die Energie kommt gut rüber. Als Kontrast zu dieser kleinen Club-Show mit 350 Leuten steht auf der DVD der Auftritt vom Summer Breeze-Festival 2011 im Zelt, das mit 10-11.000 Leuten vollgepackt war. Das ist eine ganz andere Nummer. Die beiden Shows unterscheiden sich, sind aber beide absolut sehenswert und intensiv. Genau diese Spreizung wollten wir zeigen.“ THE OCEAN nehmen interessierte Zuschauer mit auf einen Tour-Zyklus, der um die ganze Welt führt und vielfältige Eindrücke dokumentiert:

„Natürlich ist unsere Tour der Aufhänger, aber wir bieten auch einen Blick nach links und rechts. Beispielsweise haben wir auch Security-Leute auf einem Festival in China interviewt, die mit der Situation vor Ort völlig überfordert waren. Man hatte das Gefühl, als wäre es


das erste Rock-Festival dort überhaupt. Opas und Omas saßen auf dem Rasen neben irgendwelchem Szene-Publikum. Die Security-Leute waren Polizisten, die nicht im Ansatz darauf vorbereitet waren, was auf so einem Rock-Konzert auf sie zukommt. Als Loïc von der Bühne ins Publikum gegangen gingen, sind direkt 20 Polizisten auf ihn rauf, haben ihn zurück gerissen und auf den Boden gedrückt. Sie wussten damit überhaupt nicht umzugehen. Eine konfrontative Show mit direktem Kontakt gibt es in China sonst nicht. In Peking haben wir zudem mit dem Macher des Painkiller Magazins gesprochen, der seit Jahren versucht, die Metal-Szene in China aufzubauen, oder auch mit einem Studenten, der seine Promotion über die chinesische Metal-Szene verfasst. Doch nicht nur diese Interviews sind spannend. Wir thematisieren immer wieder auch das Essen, was wir sehr gerne tun – das ganze Tour-Leben eben.“

Angefangen bei der Dokumentation zur Entstehung der Band und der Entwicklung des THE OCEAN-Sounds über Material aus den frühen Tagen, die beiden kompletten Shows bis hin zur sehenswerten Tour-Doku „Months At Sea“ sind auf „Collective Oblivion“ wirklich alle Facetten des Band-Daseins und Tour-Alltags mit allen Banalitäten und skurrilen Momenten dargestellt. Mit diesem umfänglichen Werk rekapitulieren die Musiker ihre erste Dekade und setzen einen würdigen Abschluss unter ihre 2010er „Centric-“Scheiben.

„Alex hat uns über viele Monate begleitet und das rund um den Globus. Anfangs hat er einfach gefilmt, ohne dass klar war, was damit passieren soll. Dann hat sich heraus kristallisiert, welch geiles Material er da sammelt. Daraus sind zunächst die Blogs entstanden, die wir teilweise im Internet gepostet haben, doch das Material war uns so wertvoll, dass wir mehr daraus machen wollten. Ende 2010/Anfang 2011 hat die eigentliche Arbeit angefangen, doch es hat ewig gedauert, 27 Terabyte Rohmaterial zu sichten und zu bearbeiten. So eine Produktion ist unglaublich teuer, und wir sind froh, dass die DVD nun endlich auf den Markt kommt. Nur durch die Unterstützung der Initiative Musik war es am Ende möglich, dieses Projekt umzusetzen.“

Das Ergebnis begeistert THE OCEAN so sehr, dass Robin Staps gedanklich schon eine Fortsetzung plant. Spannend wäre beispielsweise auch ein rein instrumentales Set, bei dem die bloße Musik die Führung übernimmt, wie es auf einer der beiden CDs von „Pelagial“ der Fall ist.

 
 
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