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The More I See

Storie von: arne, am 10.09.2013 ]

Die Briten aus Peterborough liefern auf ihren Alben seit Jahren beste Heavy-Hymnen zwischen NBWOHM-Zitaten und etwas Hard Rock sowie progressiv gefärbten Erweiterungen und modernen Akzenten ab. Auf ihrem vierten Longplayer „The Disappearing Humans“ präsentieren sich THE MORE I SEE nun so zwingend und melodisch wie niemals zuvor.

 
Erweiterte Aufmerksamkeit erfährt das Quartett derzeit allerdings aufgrund des Hintergrundes im Video zu ,The Eye That Offends‘. Die Briten vertrauen auf die Macht und haben in verlassenen Star Wars-Kulissen in der tunesischen Wüste gedreht. Im Kinderzimmer von Luke Skywalker wackeln die Wände, denn es wird zur Metal-Bühne umfunktioniert: „In diesem Ausmaß haben wir das nicht erwartet. Wir nutzen doch nur eine Filmkulisse“, äußert Sänger und Gitarrist James Cluer. „Eher schon haben wir damit gerechnet, dass es die Leute interessieren wird, wie unser neues Line-Up funktioniert und ich mich als Sänger schlage. Den PR-Effekt vom Video nehmen wir aber gerne mit. Wir sind zuversichtlich, dass die Leute die Qualität des Songs wahrnehmen und hoffen, dass sie sich anschließend auch für das ganze Album interessieren.“

Seinen Einstand als Lead-Sänger absolviert James darauf souverän, so als hätte er zuvor nichts anderes getan. „The Disappearing Humans“ profitiert von seiner Stimmfarbe und seinen Gesangslinien ungemein: „Unser Sound hat sich offenkundig verändert. Er ist heute melodischer und genereller orientiert, was sicherlich ein breiteres Publikum ansprechen wird“, meint der Frontmann. „Das lässt sich schon vom Feedback auf das „Star Wars-Video“ ableiten, denn damit hat uns eine neue Klientel zum ersten Mal überhaupt wahrgenommen.“ Die 2003 vom früheren The Prodigy- und English Dogs-Gitarristen Gizz Butt gegründeten THE MORE I SEE tun aber auch sonst das ihnen Mögliche dafür, ihren Aktionsradius auszuweiten:

„Unsere Langlebigkeit und der Glaube an unseren starken Metal zahlen sich langsam aus, nachdem wir Jahre hart dafür gearbeitet haben, die nötigen Grundlagen zu schaffen“, so James. „Wir suchen zudem immer den Kontakt zu unseren Hörern und beantworten all ihre Fragen auf unseren Social Media-Seiten. Das stärkt die Verbindung zusätzlich. Was die Musik anbelangt, werkeln wir weiter intensiv daran, eine lebendige Mischung verschiedener Einflüsse zu erschaffen, indem wir uns von allen nur erdenklichen Stilen inspirieren lassen. Bevor wir mit dem Songwriting beginnen, hören wir möglichst viel völlig unterschiedliche Musik. Davon profitieren unsere Tracks später immens.“

Neben kleinen Feinheiten und neuartigen Akzenten streben die Briten aber vor allem nach der großen Bühne, wie der Sänger und Gitarrist preisgibt: „Wir wollen der Metal-Szene die großen Riffs und tollen Gitarren-Soli zurück bringen. Wir sind mit Dave Mustaine, Paul Gilbert und Jimmy Page aufgewachsen und haben zu ihnen aufgeschaut. Das sind unsere Gitarren-Helden und die Zeit ihres Sounds ist noch lange nicht vorbei. Natürlich achten wir darauf,


nicht wie sie oder irgendwer sonst zu klingen. Das schließt sich allein schon deshalb aus, weil unsere Einflüsse so breit gestreut sind. Bei uns fließt von Speed bis Tech-Metal und Prog-Rock alles mit ein, was wir für gut befinden. Unser Ziel ist es, im Songwriting den Fokus auf die Melodien zu richten, unabhängig von der Frage, um welches Genre es sich handelt.“

Der Elf-Tracker „The Disappearing Humans“ bietet tatsächlich Unmengen an prägnanten Riffs und Gitarren-Soli, gefälligen Melodien und große Refrains. THE MORE I SEE als Gitarren-Fanatiker zu bezeichnen, greift keinesfalls zu weit. James Cluer weiß ganz genau, woran man richtig gute Riffs erkennt: „Sie klingen, als würde eine Armee durch deinen Kopf hindurch in den Krieg ziehen. Noch intensiver ist das Gefühl bei mir immer dann, wenn ich den fertigen Song das erste Mal komplett gemixt höre. Neben den Eindrücken auf Konzerten gibt es nichts Größeres für mich.“ Mit Blick auf sein Gitarrenspiel kann der Musiker seine wesentlichen Einflüsse nicht benennen, was den Gesang anbelangt aber schon:

„Aktuell höre ich viel ältere Musik zwischen den Rolling Stones und Thin Lizzy. Bei ihnen kann man lernen, welchen Stellenwert Harmoniegesang besitzt und wie sehr er dazu beiträgt, Songs wirklich hörenswert werden zu lassen. Man muss ihren Stil nicht imitieren, doch Anregungen kann man sich bei ihnen holen. In der Folge entscheiden dann die eigene Stimmfarbe und Ideen darüber, was dabei herauskommt.“ Wobei im Falle des britischen Musikers noch weitaus mehr hinein spielt, wie er verrät: „Wenn ich meine Entwicklung als Songwriter und Sänger rekapituliere, sind meine vielen Reisen und das Kennenlernen anderer Kulturkreise die wichtigen Katalysatoren dafür gewesen, dass ich gereift bin. Das Mittendrin in anderen Lebensumständen und die Berührung mit kulturellen Prägungen führen zu nachhaltigen Eindrücken, wenn man sich darauf einlässt. Allein schon vom Zuhören lernt man eine Menge.“

Bei der Arbeit am neuen Longplayer hatten sich THE MORE I SEE lediglich darauf verständigt, auf Grunzen und Hardcore-Shouting zu verzichten, da sie mit ihrem Sound nicht vereinbar sind. Ansonsten war bis hin zu den Aufnahmen nichts ausgeschlossen: „Wir haben keine Angst davor, im Studio unterschiedliche Sounds oder Effekte auszuprobieren“, erzählt James. „Unsere Alben sollen ja möglichst voll, vielschichtig und energiegeladen klingen. Alles, was zu diesem Ziel beiträgt, ist willkommen. Wie im Songwriting haben wir ein ausgeprägtes Gespür für das, was geht und passt und wovon wir lieber die Finger lassen. Die bandinterne Verständigung geschieht schnell und ohne viele Worte.“

 
 Links:
  facebook.com/TheMOREiSEEband
 
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