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Torture Pit

Storie von: arne, am 31.01.2010 ]

„Warum Metal und nicht Schlager oder Hip Hop, wo man mit viel weniger Verstand und Können wesentlich besser Geld und Frauen klarmachen könnte?”, fragt TORTURE PIT-Bassist Beule und gibt sogleich die Antwort: „Weil Metal uns einfach besser steht und keiner von uns Lust hatte, sich eine Gehirnhälfte rausnehmen zu lassen, um die musikalischen Mindestvorraussetzungen für derlei Musik zu erfüllen.”

 
Das Berliner Quartett besteht seit zwei Jahren und legt ein rabiat-brutales, selbst betiteltes Debüt vor, das dem Namen der Band gerecht wird. Stilistisch entwickelt sich die Platte zwischen Death, NeoThrash und einer MetalCore-/NuMetal-Kante: „Es war keine bewusste Entscheidung, diese Stile zu verbinden. Ulf ist eher der Thrash-Fan, Chris kommt aus der Black Metal-Ecke und ich selbst stehe sehr auf Death. Dazu kommen noch die ungezählten Ideen und Einflüsse unserer Ehemaligen. Ob es besser ist als bei anderen, ist eine Beurteilung, die uns nicht zusteht. Da fehlt uns die Objektivität. Anders ist der Mix aber allein schon deswegen, weil wir uns mit unserer Musik nicht festlegen. Zumindest hoffen wir das. Wir haben einfach angefangen und abgewartet, was sich entwickelt. Es gab konkrete Vorstellungen, doch die betrafen nur das, was wir nicht wollten. Was übrig blieb, ist das, was uns auszeichnet und heute zu hören ist. Das Songwriting liegt klar in den Händen von Ulf, unserem Drummer, und den Gitarristen. Ulf macht bei den meisten Songs einfach. Der Rest von uns nickt dann ab oder verwirft wieder. Man könnte sagen, Ulf ist der Koch, während wir nur die Gewürze sind. Im Gegenzug machen Shouter Chris und ich dann die Lyrics.”

Was Beule unterschlägt, sind die Affinität für walzendes MidTempo und massives Grooven. Und Spaß haben TORTURE PIT hörbar auch: „Der Spaß ist fast das Wichtigste. Da können die anderen Sachen auch schon mal auf der Strecke bleiben. Im Songwriting liegt das Augenmerk definitiv auf Groove und Wiedererkennung. Der Rest ist eine schöne Dreingabe, aber kein unbedingtes Muss.” Wichtig ist es, dass die Musiker ihre Songs in jedem Zustand spielen können: „Da wir meist nicht nüchtern auf die Bühne gehen, sind das Bangen und die Party zwangsläufig überaus wichtig. Das ist auch so, wenn wir so unterwegs sind. Wir denken gerne an das letzte Opeth-Konzert zurück, aber wie wir und unsere Kumpels sich die Rüben bei Amon Amarth abgeschraubt haben, ist fünf Jahre später immer noch Thema in unserer Stammkneipe.”

Die Stücke von TORTURE PIT entwickeln sich dennoch überaus rabiat und brutal,


sind bisweilen sogar technisch anspruchsvoll: „Weil unsere Songs so wütend und aggressiv sind, haben keinen negativen Elan mehr, außerhalb des Proberaums oder der Bühne noch so drauf zu sein. Es ist ein gutes Feeling, seine Wut und seinen Hass aufzuheben und diese Energie in die Musik einfließen zu lassen. Nach der Probe oder nach Konzerten geht man dann ganz entspannt nach Hause. Es ist ein guter Ausgleich, und wir sind von Haus aus doch recht entspannte Menschen, die sich selbst nicht so ernst nehmen.” Diese Mentalität hilft dabei, sich im Haifischbecken der Berliner Metal-Szene zu behaupten. Das Überangebot an Musikern, Bands, Shows usw. lässt nur wenig Raum, Beachtung und Relevanz zu finden, wie Beule bestätigt: „Es ist unglaublich schwer. Für jede Möglichkeit, die sich einer Band hier bietet, gibt es mindestens 20 andere Gruppen, die sie auch nutzen wollen. Es soll in Deutschland Landstriche geben, in denen Veranstalter nicht mal genug Bands für einen fairen Contest finden. Hier in Berlin spielen die Bands teilweise umsonst oder sogar gegen Bezahlung an den Veranstalter vor leeren Säälen, um überhaupt auf eine Bühne zu kommen. Im Gegenzug findet man dafür aber überall schnell Hilfe, und das Klima unter den Bands ist sehr entspannt. Bei direkter Konkurenz ist das nicht selbsverständlich.”

TORTURE PIT sind jedoch nicht allen Stilrichtungen und ihren Vertretern gegenüber positiv gestimmt, wie ein Video auf der myspace-Seite der Band belegt: „Ja, Deathcore sucks, haha! Es war zu dem Zeitpunkt des Interviews so, dass wirklich jeder Deathcore machen wollte, wirklich jeder hier in Berlin. Das hat uns tierich genervt. Da fehlten Kreativität und Übersichtlichkeit, und doch war jeder Core, ob nun Death-, Chaos- oder Metalcore. Wir mögen diese Musik aber schon. Grade ich selbst bin hier in Berlin als DJ ein klein wenig mit schuld war an diesem Hype. Ich bin der erste gewesen, der Waking The Cadaver und All Shall Perish laufen ließ, also kann man uns getrost aus der Oldschool-Ecke streichen. Die Songs von TORTURE PIT kommen aber ganz ohne Hintergedanken aus und verfolgen keinen bestimmten Plan.”

 
 Links:
  myspace.com/torturepit
 
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